Wieder ins Basislager auf 5.165 m

07. Mai 2017

35 Tag  Fahrt zurück ins Basislager auf 5.165 m

Heute hab ich den letzten Teil von Andys Bericht für euch 🙂

3. Teil von Andys Bericht der letzten Tage

Am 30. April war es nun so weit.
Unsere nächste Höhenstufe, der Aufstieg zum Lager 1, dem Nordsattel auf 7.060 m war geplant.
Um 08.30 Uhr stiefelten Wolfi, Klemens gemeinsam mit mir und den anderen Teilnehmern in dicken Expeditionsschuhen und gepackten Rucksäcken in Richtung Nordsattel los.
Aber nicht bevor wir uns alle noch mal zur Ehre der Sherpas und ihrem Glauben, drei Mal um die Pujastätte bewegt hätten und Reiskörner zum Schutz von uns allen in den Himmel geworfen hätten.

Diese Blockmoräne in den übergroßen Spezialschuhen ohne sehen zu können – das war schon noch eine harte Nummer für mich.
Doch nach einer guten Stunde waren wir am Cramponpoint angekommen und schon fädelte Angdorchi an meinen Steigeisen und fluchs stand ich auf 24 Stahlzacken und die Reise konnte weiter gehen.
Noch 20 Min. am flachen Gletscher und dort begann die über 300 m hohe Steilflanke hinauf zum Nordsattel des MT. Everest.

Am Gletscher zur Steilstufe in Richtung Nordsattel (Foto Klemens Bichler)

Am Gletscher zur Steilstufe in Richtung Nordsattel
(Foto Klemens Bichler)

Eine Fixseilreihe ermöglicht hier ein sicheres und zügiges Vorankommen.
Zügig spürte ich weniger… Es ist einfach arg, wie sehr einem die Höhe von hier über 6.700 m Seehöhe einbremst.

Andy am Weg zum Nordsattel (Foto Wolfgang Klocker)

Andy am Weg zum Nordsattel
(Foto Wolfgang Klocker)

Das Herz möchte raus springen, der Atem glaubt sich überschlagen zu müssen.
Selbst muss man dies alles im Zaum halten um eine Überbeanspruchung hin anzuhalten.
Wolfi stieg direkt vor mir, Klemens hinter mir.

Wolfi mit Andy am Fixseil zum Nordsattel (Foto Klemens Bichler)

Wolfi mit Andy am Fixseil zum Nordsattel
(Foto Klemens Bichler)

Bald schon kam ich in einen gewissen Rhythmus und es ging.
Schritt für Schritt, Pause Pause, Schritt Schritt,  – andere Bergsteiger kamen von oben und riefen mir positiv zu, Schritt Schritt, Schnaufen Schnaufen….
Es ging immer höher.
Sogar andere Bergsteiger durfte ich überholen und es machte wirklich ein wenig Spaß in der steilen, sonnigen Steilflanke.

Andy und Klemens am Fixseil zum Nordsattel (Foto Wolfgang Klocker)

Andy und Klemens am Fixseil zum Nordsattel
(Foto Wolfgang Klocker)

Nach 4 Std. und 50 Min. wurde das Gelände mit einem Schlag flach und wir standen an der Kante des Everest Nordsattel auf über 7.000 m Seehöhe.

Klemens mit Andy auf 7000m am Weg zum Nordsattel (Foto Wolfgang Klocker)

Klemens mit Andy auf 7000m am Weg zum Nordsattel
(Foto Wolfgang Klocker)

Noch so 150 m gerade hinüber und Karma begrüßte uns herzlich in unserem Camp 1.

Ich schlich mit Wolfi in unser von den Sherpas vorbereitetes Zelt und der Wind blies uns um die Ohren.
Aber keinerlei Probleme wie Kopfschmerzen oder Übelkeit. Es war einfach fantastisch.
Nur der Zeltboden auf dem wir nun schlafen sollten, der war schon gewöhnungsbedürftig.
Wir lagen auf blankem Schnee und Eis, die Millimeter dünne Zeltbodenfolie und eine 5mm Liegematte trennte uns vom Gletscher unter unserem Hintern.
Die dünne Z-Light Unterlagsmatte die wir beide am Rucksack dabei hatten, erhöhte diesen Abstand nur um ca. 10 mm.
Schnell hatten wir uns darauf eingestellt und einige wirklich harte Stunden, zu mindest für unsere Knochen kamen auf uns zu.
Klemens war ca. 3 m weiter mit Martin in ihr Zelt gekrochen.

Unser Camp 1 am Nordsattel auf 7.067m (Foto Wolfgang Klocker)

Unser Camp 1 am Nordsattel auf 7.067m
(Foto Wolfgang Klocker)

Über die nächsten 48 Stunden gibt es weiteres nichts Besonderes zu berichten.
Die erste Nacht hielt uns der Sturm wach.

Am nächsten Tag, dem 1. Mai versuchten wir noch einige hundert Meter höher zu steigen, was uns der Sturm und das schlechte Wetter nach ca. 40 Hm verhinderte.

In der zweiten Nacht auf 7.060 m war der Sturm noch intensiver.
Bei Klemens wurde sogar das Zelt beschädigt.
Auch mir drückte es einige male die gesamte Zeltflanke samt der Stange direkt ins Gesicht.
Erinnerungen an 2009, wo ich gemeinsam mit Thomas und Andi im Lager 2 auf 7.100 m am Cho Oyu knapp daran war, gemeinsam mit unserem Zelt im Orkan davon zu fliegen.

Der Sturm hat das Zelt von Klemens am Nordsattel stark angegriffen (Foto Klemens Bichler)

Der Sturm hat das Zelt von Klemens am Nordsattel stark angegriffen
(Foto Klemens Bichler)

Das gemeinsame Frühstück am 02. Mai fand dann bei völliger Windstille und warmen Sonnenschein Openair direkt neben unseren Zelten und der Fixseillinie des weiteren Aufstieges in feinster Atmosphäre statt.
So schnell wechseln am Everest die Verhältnisse.

Blick vom Nordsattel in Richtung ABC (Foto Wolfgang Klocker)

Blick vom Nordsattel in Richtung ABC
(Foto Wolfgang Klocker)

Der Abstieg nach diesen zwei Tagen verlief völlig unproblematisch und nach einer Stunde hatten wir schon wieder den flachen Gletscher und nach weiteren 20 Min. den Cramponpoint erreicht.

Ich fühlte mich zurück im ABC nach dem Abendessen in meinem Zelt zum ersten Mal dem Everest Gipfel so nahe.

Blick vom Nordsattel in Richtung weiterem Aufstieg zum Gipfel (Foto Wolfgang Klocker)

Blick vom Nordsattel in Richtung weiterem Aufstieg zum Gipfel
(Foto Wolfgang Klocker)

Noch ein Ruhetag auf 6.400 m im ABC und am 4. Mai rüsteten wir uns zum Abstieg in einem Tag über das Mittelcamp ins Basislager in 5.165 m Seehöhe.
Wolfi sagte mir im Nachhinein, er hätte sich schon lange vor diesem Wahnsinns Ritt mit mir gefürchtet.
2015 benötigten wir dabei 9 Stunden völliger Konzentration und Aufmerksamkeit.
Deshalb entschied ich mich diesmal genau darauf zu achten, dass Wolfi und Klemens in den exakten zeitlichen Intervallen mit mir arbeiteten.
Ich begann mit Klemens.
Er trotte mit mir um 08.45 Uhr mittels Rucksacktechnik im ABC los.
Die 5 cm Neuschnee auf den Steinen machten die Sache noch glitschiger.
Einige Bergsteiger waren bereits vor uns abgestiegen und ich beneidete jeden, denn er ist schon 30 Min. oder gar eine Stunde voraus.
Ich merkte in den ersten Minuten schon, als ob mich jemand tragen würde…
Ich möchte nicht romantisch sein, aber es war sonderbar.
Jeder Schritt machte Spaß. Martin, der unmittelbar hinter uns lief, er hatte öfters mühe, dran zu bleiben.

Ich spürte es oft nur am kurzen Anstreifen meiner Jacke am Material anderer Bergsteigers Jacken, dass Klemens mit mir ständig am Überholen war.
Irgendwann fragte ich ihn wie lange wir schon gingen?
Eine knappe Stunde….. Und wir waren bereits in der Senke mit dem verwesten Yaks und den eisigen Haifischzähnen, schon der Gegenanstieg auf die Moräne.

Dazwischen holten wir den Bergführer von Amical mit seinen Gästen und dann noch den bekannten japanischen Extrembergsteiger Nobukazu Kuriki der bereits seinen siebten Versuch am Everest bestreitet, ein.
Er hat vor, den Berg über dessen Nordwand bzw. das Hornbein-Couloir zu ersteigen. Er war oft im Herbst hier am Everest.
Dabei hat der fünfunddreißigjährige Japaner 2012 am Everest neun Finger durch schwerste Erfrierungen verloren und er plant erneut alleine ohne künstlichen Sauerstoff aufzusteigen.

Nach genau zwei Stunden, kurz vor dem Mittelcamp machten wir kurz Pause.
Ich schob mir einen der so wirkungsvollen und geschmackvollen Riegel von Headstart ein und trank was dazu.
Weiter ging der Galopp nun mit Wolfi und rasch übersprangen wir das Mittelcamp.

Am Gegenanstieg zur zweiten Moräne trafen wir auf einen sichtlichen Höhenkranken Bergsteiger.
Daniel, der sich mit uns matschte kümmerte sich sofort um den Fremden.
Dieser wurde im Camp von einer anderen Agentur versorgt und rauchte wenige Minuten später seine Zigarette  🙂

Klemens und Andy rasten auf 6850m (Foto Wolfgang Klocker)

Klemens und Andy rasten auf 6850m
(Foto Wolfgang Klocker)

Nach über vier Stunden gelangten wir an der Abzweigung unten im flachen Morenäntal ein und Klemens übernahm nach einer Trink und Headstartpause.
Die letzte Stunde ging es gemütlicher hinaus und nach 5 Std. und 40 Min. inkl. Pausen gelangten wir überglücklich und gar nicht so fertig wie 2015, nach den neunstündigen Abstieg über die selben 25 km und 1200 Höhenmeter durch Blockkramisure im Basislager ein.

Ich, Wolfi und Klemens haben uns verdammt gut auf die Aufgabe hier eingestellt und wir sind uns einig, so kann es weiter gehen!!
Andy, Klemens und Wolfi“

MT Everest, unser Traumziel ist heute Morgen klar zu sehen (Foto Daniel Kopp)

MT Everest, unser Traumziel ist heute Morgen klar zu sehen
(Foto Daniel Kopp)

Noch ein paar aktuelle Zeilen vom Basislager:
„Hi Spatzi,
Sind jetzt wieder im BC eingetroffen.
Völlig anders als noch vor knapp 4 Wochen beim ersten mal.
Super warm, wie am Strand so fühlt sich der Körper. Also die Rotation auf über 7000 m ist extrem spürbar.
Heute war gerade für alle Teams die Verhandlung wegen den Fixseilen vom camp 3 bis Gipfel. Die Chinesen haben da oben auf 8.300 m ja aufgehört zu verseilen. Die wollen verhandeln um was zu verdienen….
Jetzt Ende der Verhandlung drüben im Chinesen camp: Pro Teilnehmer sind 165 Dollar oder so zu zahlen plus pro Team ein Sherpa der Sauerstoff für die chinesischen Verseiler bis camp 3 rauf trägt…
Bis 12. Mai soll alles fertig für einen Gipfelanstieg sein.
Andy, Klemens und Wolfi“

So sieht es momentan im Basislager aus und jetzt heißt es „Abwarten“.
Leider soll auch ein starker Sturm in den höheren Lagern sein Unwesen treiben – also bleibt nur die Hoffnung auf baldige Wetterbesserung.
Namaste euer Bodenpersonal Sabine

 

 

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2 Antworten auf Wieder ins Basislager auf 5.165 m

  1. Roger Stuber sagt:

    Hallo Andy Waschl
    Das tönt ja sehr gut. Das von Dir so gut beschriebene Gefühl, des leichten, fast fliegenden Vorankommens bei eurem Abstieg ins Basislager kann ich mir gut vorstellen, da selber auch schon erlebt. Als ob einem Jemand tragen würde. Ich bin in Gedanken jeden Tag bei Euch und wünsche euch weiterhin alles Gute. Roger-Waschl.

  2. Helmut Kargl sagt:

    Wir wünschen euch alles erdenklich Gute für euren Aufstieg. Möge euch alles so gelingen wie ihr es euch vorstellt. Wir sind im Gedanken bei euch.
    Herzliche Grüße aus dem Pielachtal von Helmut und Grete Kargl!

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