Zweiter Erholungstag in Xegar auf 4. 300 m

06. Mai 2017

34 Tag  Besuch eines Schwefelbades

Da bin ich wieder mit dem  zweiten Teil von Andys Bericht 🙂

2. Teil von Andys Bericht der letzten Tage

„Am 25. April, genau der Jahrestag und für mich genau dieselbe Wegstrecke als das Erdbeben 2015 alles anders machte, dieser 25. April führte uns wieder vom Mittelcamp in das ABC bzw. „Vorgeschobenes Basislager“ auf 6.400 m.
Heute war Klemens mein „Ansager“ und er setzte all seine Empathie und Einfühlungsvermögen ein, dass ich möglichst ohne mehr Kraftaufwand die Blockhalden übersteigen konnte.
Es ging richtig zackig über die lange Moräne und wir holten Bergsteiger für Bergsteiger sogar ein.

Am Weg vom Mittlecamp zum ABC (Foto Klemens Bichler)

Am Weg vom Mittlecamp zum ABC
(Foto Klemens Bichler)

Nach zwei Stunden war endlich das Ende der so langen Moräne erreicht und wir stiegen hinunter in den Kessel wo schon 2015 die Überreste eines Yaks neben dem Steig lagen und an der linken Talseite die riesigen Eiszapfen wie überdimensionale Haifischzähne in den Himmel ragen.
Dort machten wir die erste Pause.
Arnold Coster, der Chef der Niederländischen Bergsteigeragentur war auch vor uns hier angekommen und wir tauschten uns herzlich aus.

Andy mit Klemens in der Senke mit Haifischzähnen aus Eis (Foto Wolfgang Klocker)

Andy mit Klemens in der Senke mit Haifischzähnen aus Eis
(Foto Wolfgang Klocker)

Nun war wieder Wolfi an der Reihe, meinen lichtlosen Körper durch das Durcheinander von Steinen, Eisplatten und Wasserlöcher zu lotsen.
Mit meinen neuen Super Leggera von Dachstein und die Balancehilfe meiner super leichten Lekistöcke gelang uns das gemeinsam super flink und flott.
Nun waren wir in die Gegend gekommen, wo uns 2015 beim selben Aufstieg zum ABC das schwere Beben mit der Magnitude von 7,8 direkt erwischte.
Uns war jedoch nicht ganz klar, wo genau wir damals standen… Es hatte sich alles etwas verändert.
Der Schnee bzw. das Eis am Boden war weg geschmolzen und wir liefen auf nachten Steinen, wo wir 2015 noch auf einem harten Gletscherboden dem Beben davon zu laufen versuchten.
Also ich konnte es nicht auf den Meter erkennen, wo es damals für uns so arg war.

Dieses holprige Gelände sollte diesmal bis ins ABC so weiter gehen, was mir im Schlussstück zum ABC noch zu schaffen machte.
Ich war auf noch eine Stunde Gehen auf glattem Firn eingestellt – grober Untergrund machte mir jedoch die letzten 60 Minuten zur Qual.
Trotzdem glücklich kamen wir nach 5 Std. und 10 Min. im ABC an.

Unser ABC auf 6400m (Foto Wolfgang Klocker)

Unser ABC auf 6400m
(Foto Wolfgang Klocker)

Unsere Sherpas hatten Vorsprung von drei Tagen und hatten unsere kleine Zeltstadt hier lieblich aufgebaut.
Wieder Wolfi, Klemens und mein Zelt zusammen, von meinem Zelt eine dünne Leine als Handlauf nach rechts zu meiner Privattoilette, nach links zum Essenszelt.
Und so bin ich auch im ABC total selbstständig bei Tag oder Nacht fähig, mich zur Toilette oder ins Aufenthalts bzw. Essenszelt zu bewegen.
Die erste Nacht auf 6.400 m verlief genau wie alle anderen Nächte in einer neuen Höhe für mich absolut unproblematisch ohne Kopfweh o.ä. ab.

Die zarte und eher langsame konservative Annäherung an die Höhe bringt uns so denke ich, sehr viel.
Jetzt waren wieder erst mal drei Ruhetage auf neuer Höhe geplant.

Letzte Abstimmungen im ABC für Mensch und Material (Foto Klemens Bichler)

Letzte Abstimmungen im ABC für Mensch und Material
(Foto Klemens Bichler)

Daniel baute mit Seilen und Eisschrauben einen kleinen Parkur im Eis auf.
So konnte jeder noch mal sein Equipment und Können dort testen.
Auch ich stieg zwei dreimal gemeinsam mit Wolfi und Klemens den kleinen Eisbruch durch.
Für mich einfach gut zu wissen, dass die neuen AUSTRIALPIN Steigeisen auch gut am Expeditionsschuh halten und ich das richtige Setup mit meinen Geräten fand.

Ein kleiner Aufstieg zum so genannten Cramponpoint, jener Stelle, an der die Blockmoräne in das ewige Eis hinauf zum Everest mündet, das war auch noch ein Highlight in diesen Tagen.
Auf 6.650 m werden hier die Steigeisen an die schweren Expeditionsschuhe geschnallt.

Ein weiterer Tag wurde genutzt, gemeinsam mit unseren Sherpas noch mal die Sauerstoffsysteme zu prüfen und genau zu inspizieren.
Weiteres stand die für uns alle so spannende Sherpalotterie an.
Dabei wird jedem Teilnehmer von uns jeweils sein persönlicher Sherpa für den Gipfelgang zugelost.
Eigentlich eh völlig egal, jeder unserer 8 Sherpas ist für sich ein Phänomen.
Zwischen 30 und 40 kg inkl. 30 kg Gasflaschen schleppen diese so liebenswürdigen und nahbaren Menschen aus dem Stamme der Sherpas im nepalesischen Khumbugebiet den Berg hoch.
Klemens zog bei der Lotterie den Sherpa Kaji (29 Jahre alt), Wolfi den Verwandten von Kaji, Kunga (24 Jahre alt) und mir war ein besonderes Glück beschieden – Angdorchi, mit 32 Lebensjahren und einigen Erfolgen am Everest und anderen Achttausendern steht mir zur Seite und war sichtlich happy mit seinem blind climber.

Unsere Puja im ABC am 29 April 2017 (Foto Wolfgang Klocker)

Unsere Puja im ABC am 29 April 2017
(Foto Wolfgang Klocker)

Am dritten Tag im ABC wurde noch die traditionelle Puja abgehalten und am Nachmittag besuchten Daniel, Klemens und ich noch das Camp von Kari Kobler.
Kari kann man derzeit wohl den Fürsten des Everest an dessen Nordseite bezeichnen.
Seit dem Jahre 2000 führt er jährlich erfolgreiche Expeditionen an der Nordroute des MT. Everest aus.
Er ist mit Mensch und Material top ausgestattet und weiß mit seinen sechs persönlichen Everest Erfolgen genau worum es hier oben geht.
Dieses Jahr ist auch Ralf Dujmovits im Team von Kari Kobler.
Ralf möchte bei seinem nun achten Versuch den Berg der Berge ohne zu Hilfenahme von künstlichen Sauerstoff nun endlich erfolgreich sein.
Kari und einige seiner Teammitglieder führten mit uns ein sehr nettes Gespräch.
Besonders nett und zugewandt fühlte ich Ralf, der sich wirklich sehr für mich und meine Person interessierte.
Es tut auch echt gut, mal andere Stimmen und Stimmungen zu hören…“

Morgen folgt dann der dritte Teil – wird sicher spannend 😉

Aber auch heute habe ich noch ein paar Zeilen und Bilder von Andy bekommen – wir Mädels wollen ja auch wissen was unsere Männer an ihren Erholungstagen anstellen …

„Hallo Sabine,
heute ist der erste Tag an dem du mich beneiden wirst.

Wir nutzten den Erholungstag hier in Xegar für einen Besuch eines Schwefelbades in den für die Gegend bekannten „hot springs“.
Eine von außen gesehen sehr primitive Badeanlage wie aus der alten Römerzeit.
Nur mit Geländewagen kommen wir in einer 20-minütiger Fahrt zu diesem speziellen Ort.
Unregelmäßige Stufen mit erdigem und ungepflegtem Vorplatz bilden den wenig einladenden Eingangsbereich dieses Bades.
Dazu kommt mir der Gestank einer alten unaufgeräumten Toilette in meine Nase, die mir ja neben meinen Ohren und Händen mein Bild zuordnet.
Erst später weiß ich, dass dieser Geruch nicht von menschlichen Exkrementen sondern direkt aus dem Inneren der Erde kommendem Schwefelwasser in die Luft gerät.

Im Inneren des kleinen Gebäudes erst mal große Skepsis wegen dem weiteren Verhalten.
Eine graue Brühe schwappte im mit Steinen eingefassten Becken und keiner wusste nicht so richtig wie und was nun.
Ganz behutsam tastete sich der Eine und der Andere ins wohltuende Nass und ich hörte immer wieder „UHHH UHHH UHHH“ und anscheinend sollte dieses grauschwarze Wasser sehr warm sein.
Schließlich zog auch ich und Klemens die Hosen aus und wir schlichen zum Rand der Schwefelkloake.
Aber als ich meinen Fuß in das gute Wasser streckte da hielt mich nichts mehr zurück.
Ca. 45 Grad warmes feinstes Schwefelwasser empfing mich und ich war pinnen kürzester Zeit bis zum Hals in dieser herrlichen natürlichen Badewanne.
Klemens und nach kurzem Zögern auch Wolfi folgten und eine Stunde lang wollte keiner mehr raus.

Schwefelbad in Xegar (Foto Wolfgang Klocker)

Schwefelbad in Xegar
(Foto Wolfgang Klocker)

Nach diesen eiskalten Nächten im ABC und am Nordsattel ein Wahnsinn für unsere Körper.
Der Boden des ca. 80 cm tiefen Beckens war mit Steinen und Schotter ausgelegt und dazwischen strömte direkt aus der Erde das wertvolle, bis zu 70 Grad heiße höchst natürliche Schwefelwasser herein.
Man musste an den Hotspots echt aufpassen dass man sich nicht verbrüht.
Nach dem feinen Bad war der Körper von frischer Energie durchströmt und ich bin mir sicher, diese Wärme werden wir am Everest alle noch brauchen.
Andy und seine gewaschenen Jungs“ 🙂

Auch von Wolfi sind ein paar Zeilen gekommen

„Hi Sabine!
Anbei ein paar Bilder für den Bericht.
Hoffe dir geht es gut. Wir werden jetzt uns ein wenig beeilen, damit es nicht mehr zu lange für euch Zuhause dauert. Habt noch ein wenig Geduld und drückt uns mit dem Wetter noch ein wenig die Daumen damit alles klappt. Danke für alles!!!
LG Wolfi
PS.: Ein Bild fürs Nachtkästchen für Dich (dein Unterwäschemodell) gibt es auch noch.“ 🙂

ORTOVOX - Ob heiss oder kalt, für alle Fälle das Richtige - in allen Grössen verfügbar (Foto Wolgang Klocker)

ORTOVOX – Ob heiß oder kalt, für alle Fälle das Richtige – in allen Größen verfügbar
(Foto Wolgang Klocker)

So meine Lieben – heute konnte ich euch wirklich mit einem  langen Bericht verwöhnen …
Namaste euer Bodenpersonal Sabine mit Team

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