In Xegar auf 4. 300 m

05. Mai 2017

33 Tag  Erholungstage nach Rotation

So meine lieben Leser, wie schon gestern versprochen, habe ich heute den aktuellen Bericht und Bilder der letzten Tage bekommen.
Da die Informationen sehr ausführlich von Andy beschrieben wurden, werde ich sie euch in drei Teilen liefern – natürlich  auch um ein bisschen Spannung hinein zu bringen 🙂

1. Teil

„Hallo Spatz,
Jetzt sind wir gerade in Xegar im Everest Hotel eingetroffen.
Eine dreistündige Autofahrt vom Basecamp über den schon von der Anreise zum Basislager bekannten Panglapass führte uns hier her in das „Hotel“ wo wir schon am 12. April bei der Anreise aus Lhasa übernachteten.
Sofort aufgefallen ist mir, dass die Temperatur in den Zimmern und überhaupt völlig anders, bzw. angenehmer sind als noch vor knapp 4 Wochen.
Ich denke es ist nicht die Klimaerwärmung – eher wohl unsere Höhen und Temperaturanpassung.

Wir haben ja nun schon zwei Nächte auf über 7.000 m bei Sturm und unter 20 Grad minus gut hinter uns gebracht und so machen uns die 4.300 m hier in Xegar nichts mehr aus.
Interessant wie sich der Mensch anpassen kann wenn er es wirklich will.

So, nun versuche ich die letzten so wichtigen knapp zwei Wochen unserer Rotation bzw. Akklimatisierung – Auf und Abstiege zu beschreiben.

Am 24. April starteten wir alle gemeinsam um 09 Uhr vom Basislager auf 5.165 m aus in Richtung Mittelcamp auf 5.800 m.
Die ersten 90 Min. des Weges hatten wir ja schon nach der Ankunft im Basislager erkundet und im Vergleich zu 2015 als sehr positiv und angenehm befunden.
Ab der Abzweigung vom Morenäntal nach links in den östlichen Rhombukgletscher wurde der holprige Steig doch wieder unangenehmer und mühsam.
Trotzdem konnte ich mich so gut darauf einstellen und Wolfi führte mich präzise durch die Landschaft aus Steinblöcken sodass es wirklich gut voran ging.
Nach ca. 4 Std. sahen Wolfi und Klemens bereits die ersten Zelte des Mittelcamp.
Martin, Daniel, Oliver, Anja und Bastian gingen hinter uns ihren eigenen Rhythmus.

Eine halbe Stunde vor dem Mittelcamp kam von hinten Anita daher geschossen und sie rief Andy! Andy! Andy! – welche Überraschung!! Anita ist indische Polizistin und sie hat den Everest bereits von der Südseite erfolgreich bestiegen.
Bei meinem vom Erdbeben abgebrochenen Versuch 2015 war sie direkt in unserem Team von Asia Trekking mit mir dabei.
Mich hat ihre ehrliche Freude über unser Wieder“sehen“ sehr gefreut.
Recht flott kamen wir auf der ersten Moräne des Mittelcamp, dort wo 2015 unsere Zelte standen, oben an.
Anita jubelte uns zu und bedeutete ihren Teambegleitern lautstark, „Andy, the blind climber, the blind climber, my friend Andy from Austria!!!“
Es war wirklich eine herzliche Stimmung und ich winkte freundlich rüber zu Anita.

Die Inderin Anita aus unserer Gruppe von 2015 trifft überraschend auf Andy (Foto Klemens Bichler)

Die Inderin Anita aus unserer Gruppe von 2015 trifft überraschend auf Andy
(Foto Klemens Bichler)

Doch unser Mittlecamp steht dieses Jahr eine Moräne weiter, also auf der zweiten Moräne.
D.h., wir mussten noch mal in einen tiefen Graben mit einem vereisten Gletscherbach absteigen und die jenseitige Moräne steil ansteigen.
Ca. 25 Minuten weiter kamen wir dann zu den Zelten die uns zugeordnet sind.
Hier hatten wir nun 5 Std. und 20 Minuten auf der Uhr und ich war wirklich fein und relativ stark beisammen.
Eine Suppe, etwas Nudeln und wir krochen in die Schlafsäcke.“

Vom Mittelcamp Blick zum MT Everest und die lange Moräne in Richtung ABC (Foto Wolfgang Klocker)

Vom Mittelcamp Blick zum MT Everest und die lange Moräne in Richtung ABC
(Foto Wolfgang Klocker)

PS. Irgendwann zwischen den Fetzen unserer so knappen Kommunikation am Satellitentelefon im ABC hast Du mir Info über das schreckliche Geschehen von Ueli Steck an der Südseite, nur 10 km Luftlinie vom Nordsattel gegeben.
Ich kenne bzw. kannte Ueli leider nicht persönlich, Trotz dem fühle und weiß ich, ich weiß wie hart die Tatsache ist, ich habe es am 21.04.2017 mit dem Verlust meines lieben Papa wieder ganz hart bekommen…..
Der Everest ist in meinen Augen direkt mit dem Tod, schöner gesagt, mit dem Himmel in Verbindung.
Ich kehrte 2014 nach dem Verlust von 16 Sherpaleben wieder traurig heim.
2015 nach über 9000 Menschenopfern beim Erdbeben gab uns der Everest eine andere, eine viel wichtigere Aufgabe als ihn zu besteigen.
Und jetzt bei meinem dritten Versuch muss ich meinen eigenen Vater ziehen lassen, im Vertrauen, es hat alles seinen Sinn, nur weil wir ihn oft nicht erkennen, es gibt ihn doch – den Sinn von allem.
Der Familie und den Freunden von Ueli wünsche ich die Kraft den Sinn zu ahnen.
Mein Mitgefühl und meine Teilnahme eurer Trauer sind ganz bei euch
Andy Holzer

Morgen folgt dann der zweite Teil …. 🙁
Schlaft gut euer Bodenpersonal Sabine

 

 

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