Im ABC auf 6.400 m

28. April 2017

26 Tag  Akklimatisieren auf 6.400 m

Leider hab ich heute gar keine Nachrichten von unserem Team – aber die treuen Leser wissen ja schon – Keine Nachrichten sind gute Nachrichten.  🙂
Wie Andy ja schon vorher berichtet hat, haben sie jetzt vor in ihre Akklimatisierung weiter zu kommen.
Sie halten sich auf 6.400 m auf und werden jeden Tag zwischen 300 und 400 Höhenmetern weiter nach oben steigen und dann wieder zurück ins ABC kommen…

Nachdem ich leider selbst nicht mehr habe, werde ich euch ein paar Infos über Akklimatisierung und Höhenanpassung geben.

Akklimatisierung
Der menschliche Körper braucht Zeit, um sich an große Höhen  zu gewöhnen. Wer Akklimatisationsregeln beim Höhenbergsteigen und auf Trekkingtouren missachtet, muss mit schweren Gesundheitsschäden bis hin zu Lebensgefahr und Tod rechnen.

Wichtigste Leitlinie: Die Schlafhöhe sollte pro Nacht ab 2500 Metern Seehöhe m nicht mehr als 400 bis 500 Meter zunehmen. Ab ca. 5.300 Metern ist eine vollständige Akklimatisation nicht mehr möglich, es kommt zum körperlichen und geistigen Leistungsverlust, genannt „Deterioration“.

Unter einer Akklimatisation oder auch Akklimatisierung versteht man die individuelle physiologische Anpassung eines Organismus innerhalb seiner genetischen Vorgaben an sich verändernde Umweltfaktoren, wobei diese Anpassung selbst reversibel (umkehrbar) ist.

Höhenakklimatisation beim Menschen

Die einzige Möglichkeit, den menschlichen Organismus an große Höhen anzupassen, ist die Akklimatisation. Durch einen komplexen Anpassungsvorgang kann die mangelnde Versorgung mit Sauerstoff in großer Höhe zum Teil ausgeglichen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeit zum hypoxischen Atemantrieb verläuft die Anpassung bei jedem Menschen unterschiedlich. Die normalen höhentypischen Veränderungen äußern sich in:
Kurzatmigkeit
vermindertem Harnlassen
veränderter Atmung
Schlafstörungen und sonderbaren Träumen
oft quälendem Kopfschmerz (Hirnödem, insbesondere Höhenhirnödem).

Der Anpassungsprozess, der in verschiedenen Stufen abläuft, stellt einen hochkomplexen, bis heute noch nicht vollständig erforschten Prozess dar.
In verschiedenen Anpassungsphasen wird zunächst durch Steigerung des Atem- und Herzminutenvolumens der gesunkene O2-Partialdruck ausgeglichen. Dadurch bedingt, entsteht eine respiratorische Alkalose, die der Körper auszugleichen versucht.
Mit dem alveolo-vaskulären Reflex wird der Sauerstoffaustausch von Alveolen und Lungenkapillaren verbessert. Im Blut kommt es zu einer Rechtsverschiebung der Hämoglobin-Bindungskurve, abgeschwächt durch die respiratorische Alkalose.
So steigt der Hämatokrit stark an, was die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtert und zu einer Thrombosebildung führen kann. Der Organismus kann sich dauerhaft nur in Höhen bis 7000 m (Höhengewinn aufgrund der Senkung des kritischen Sauerstoffpartialdrucks durch chemosensorisch aktivierte Atemzeitvolumen-Erhöhung) anpassen; bei größeren Höhen setzt langfristig der Abbau aller Körperfunktionen ein.

Merkmale für eine erfolgreich verlaufene Akklimatisation sind:
ein auf Normalwert zurückgekehrter Ruhepuls
trainingsgemäße Ausdauerleistung
vertiefte Atmung in Ruhe und unter Belastung
vermehrtes Urinieren.

Symptome der Höhenkrankheit
Mangelnde Akklimatisation zeigt sich in den Symptomen der Höhenkrankheit: Am Beginn (milde Höhenerkrankung – AMS) stehen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Schwindelgefühl, Leistungsabfall und Schwellungen des Gesichts.
Diese können sich bei Verweilen auf gleicher Höhe in zwei bis drei Tagen zurückbilden oder sich zu den bedrohlichen Formen der Höhenerkrankung entwickeln. Diese treten als Wasseransammlungen in der Lunge (Höhenlungenödem – HAPE) und/oder Schwellungen des Gehirns (Höhenhirnödem – HACE) auf und sind jedenfalls lebensbedrohend. Das Lungenödem erkennt man am starken Hustenreiz, Herzjagen, brodelnden Atemgeräuschen und natürlich Atemnot; das Hirnödem an Gang- und Stehunsicherheit (Ataxie), Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Halluzinationen und Bewusstlosigkeit. Beide Erkrankungen sind häufige Todesursachen in großen Höhen bzw. verursachen auch oft Abstürze.

Höhenanpassung
Je größer die Zielhöhe, umso länger ist die Anpassungszeit (Akklimatisation) an die Höhe. Die Anpassungszeit ist individuell verschieden und nicht direkt an anderweitige körperliche Fitness gekoppelt: Es gibt unsportliche Personen, die über die natürliche Fähigkeit verfügen, die Konzentration an Erythrozyten (rote Blutkörperchen, die Träger des Sauerstoffs) auf das doppelte Maß anzupassen; sie können sich daher länger in großen Höhen aufhalten. Bei anderen Personen steigt die Konzentration auch bei längerer Anpassung nicht so stark – auch wenn sie sehr sportlich und austrainiert sind.

Diese Anpassungsleistung lässt sich in gewissen Grenzen sportmedizinisch vorab ermitteln, jedoch zeigt sich die „Wahrheit“ erst vor Ort, beim Bewältigen von Anstrengungen bei verringertem Sauerstoff-Partialdruck in großer Höhe.

Zu den besonderen Ausrüstungsgegenständen gehören dabei eine Sauerstoffmaske mit Ventilen und Reglern sowie eine entsprechende Anzahl von Sauerstoff-Flaschen, die zumeist mit Trägern in gestaffelte Höhenlager verbracht werden. Das Besteigen des Mt. Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff gelang zwar mittlerweile  einigen Menschen, jedoch ist diese physische Befähigung hierfür sehr selten. In aller Regel wird von Bergsteigern oberhalb von 7.500 m Flaschensauerstoff verwendet, zwischen 1,5 und 2,5 Litern pro Minute. Dies entspricht einem Bedarf von pro Mensch zwei Flaschen Sauerstoff in 24 Stunden. Im Bereich des Spitzenbergsteigens wird die Nutzung zusätzlichen Sauerstoffs zumeist als unsportlich angesehen und nur bei medizinischen Notfällen akzeptiert.

Zur Planung einer Expedition in großen Höhen gehört ein genau ausgearbeiteter Plan für die Akklimatisierung.
Hierzu gehört das Aufhalten in größerer Höhe zunächst ohne körperliche Anstrengungen. Eine Höhenanpassung ist ab etwa 3.000 Metern Höhe notwendig, wenn man sich dauerhaft in dieser Höhe aufhält. Dabei gilt die Faustregel, nur etwa 300 Meter netto am Tag aufzusteigen.

Der zweite Akklimatisationsschritt erfolgt in den Basislagern, die etwa im Himalaya in einer Höhe zwischen 4.500 und 5.500 Metern liegen und so einen Aufenthalt über mehrere Wochen ermöglichen. Ausgehend vom Basislager werden einzelne Touren zum Erreichen größerer Höhen unternommen, die der Akklimatisierung dienen – und bei geführten Touren zugleich der Bewertung der Teilnehmer durch ihre Bergführer, inwieweit sie sich den Anforderungen noch größerer Höhen vermutlich gewachsen zeigen werden. Die benötigte Zeit der Akklimatisierung für eine Achttausender-Besteigung beträgt oftmals mehr als acht Wochen. (Quelle. Wikipedia)

8000er Bereich Nepal China (Karte Andreas Unterkreuter)

8000er Bereich Nepal China
(Karte Andreas Unterkreuter)

Namaste und bis morgen euer Bodenpersonal Sabine

 

 

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