Everest Basislager 5.165 m

22. April 2017

20. Tag  Meine Gedanken im größten Verlust

„Liebe Leser und Freunde,
heute möchte ich euch Einblick in meine Gefühlswelt in Stunden meines größten Verlustes geben.
Jubel und Jauchzen, Pauken und Trompeten in der Siegesstunde zu vermitteln, das ist im Vergleich ein Leichtes.
Heute ist für mich leider die andere Seite der emotionalen Spirale erreicht.

Gestern Abend, am 21.04.2017 um 23.07 Uhr ist mein geliebter Vater, nur wenige Tage vor seinem neunzigstem Geburtstag im Beisein seiner engsten Familie, nach seinem schweren Gehirnschlag in der Nacht zuvor, ohne Schmerzen, friedlich und bereit, in die Hände vom Lieben Gott geglitten.

Für mich hier in Tibet, fast 7.000 km entfernt, im Basislager des MT. Everest auf 5.165m Seehöhe und unwirtlichen äußeren Bedingungen, eine nur grenzwertig ertragbare Situation.
Aber genau in solcher Situation erkennt man ganz schnell, wer hinter Dir steht und wer nur  das Beste für Dich wünscht.
Wolfi, Klemens, Daniel und die ganze Sherpa Mannschaft gemeinsam mit den restlichen Teilnehmern versuchen mich in dieser schweren Zeit förmlich zu tragen.
Jede meiner weiteren Entscheidungen im Bezug auf die Everest Expedition stimmen Wolfi und Klemens ganz frei zu.
DANKE DANKE Burschen!!

Die dutzendfachen Mailings und vermittelten Wünsche von meiner Familie, von Freunden und wild fremden Menschen aus der Heimat, die ausschließlich positiv zu meinem Projekt am Everest tönen, geben mir Hilfe mich in dieser Hochschaubahn der Gefühle zu orientieren.

Mein Vater gemeinsam mit meiner Mutter hat mich vor gut 50 Jahren auf meinen besonderen Weg geschickt.
Meine Blindheit war für sie niemals ein Grund es nicht zu versuchen oder umzukehren.
Genau deshalb bin ich heute dort angekommen, wo mich meine lieben Eltern immer hin gewünscht haben.
Auf eigenen Beinen zu stehen, Entscheidungen selbst mit allen Konsequenzen zu treffen, ja, ein Leben welches lebenswert ist, leben zu können.

Gemeinsam mit meiner Sabine, die mir jetzt schon über 30 Jahre als meine geliebte und unsagbar verständnisvolle Frau zur Seite steht, konnte ich mir meine Welt gestalten, richtige Freunde gewinnen und Ziele erreichen, die damals unrealistisch waren.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mein Vater nun möchte, dass ich diesen Weg kurz vor der höchsten Spitze aufgeben sollte.
Sabine, meine Mutter und meine Schwester haben mich heute darum gebeten, den Aufstieg am MT. Everest fortzusetzen und damit unseren Vater in anderer Form nahe zu sein.

Natürlich ist mir klar, dass ich mit unserer gemeinsamen Entscheidung nun wieder die Nichtversteher und Andersdenker meiner ganz persönlichen Lebenseinstellung auf den Plan rufe.
Leider bin ich nicht im Stande, auf alle Menschen Rücksicht zu nehmen und bitte jetzt schon um Verständnis,
Alles Liebe, bitte schickt uns weiter so viel Kraft, es wird hart – aber machbar,
Euer Andy mit seinen Superbuam

Nachtrag:
Die nächsten Tage werde ich mich hier im Blog ein wenig zurückziehen.
Es macht mir große Mühe, mich in meiner Trauerarbeit auf das Verfassen von sinnvollen Blogeinträgen zu konzentrieren.
Sabine wird mich ein wenig ersetzen und grobe Angaben liefern.
Ich hoffe, dass ich ab Mittwoch- Donnerstag, wenn wir dann schon im ABC sein werden, bei verfügbarer Netzverbindung in der Lage bin, euch wieder mit den täglichen News zu versorgen.“

Es ist auch für uns, Andys Familie, eine sehr schwierige Zeit, wenn man 7 000 km von einander entfernt ist, diese Gradwanderung der Gefühle und manchmal auch Hilflosigkeit zu meistern.
Aber gerade solche Schicksalsschläge stärken den Zusammenhalt und die Verbundenheit – nur gemeinsam sind wir stark …

Wir empfangen so viel Mitgefühl, Liebe und Hilfsbereitschaft von den Menschen die uns umgeben und auf diesem schweren Weg begleiten.
DANKE UND SCHÖN DAS ES EUCH GIBT!!!

Ich werde in den nächsten Tagen versuchen die Lasten auf Andys Schulter mitzutragen und ihm die Zeit dafür geben seine Trauer und den Verlust  seines geliebten Vater in Ruhe zu bewältigen… –  mein Schatz ich liebe dich und bin in Gedanken tief mit dir verbunden !

Die treuen Leser werden hoffentlich auch die Geduld und das  Verständnis dafür aufbringen.
Danke euer trauriges Bodenpersonal Sabine mit Familie

Andreas und sein Vater vor der Abreise (Foto Sabine Holzer)

Andreas und sein Vater vor der Abreise
(Foto Sabine Holzer)

 

 

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4 Antworten auf Everest Basislager 5.165 m

  1. Michael Aichner sagt:

    Hallo Andi,
    in diesen schweren Stunden wünsche ich Dir und Deinen Lieben vor allem viel Kraft und Zuversicht.
    Deine Entscheidung, den Everest-Aufstieg fortzusetzen kann ich gut verstehen und ist sicher im Sinne Deines verstorbenen Vaters.
    Fokussiere Deine ganze positive Energie auf diesen „verdammten“ Berg und Du wirst es schaffen. Meine besten Wünsche begleiten Dich und Deine hervorragenden Kameraden.
    Michael, ADEG Tristacher Straße

  2. Albert Scholl sagt:

    Liebe Sabine, lieber Andy!
    Mein aufrichtigstes Beileid und mein größtmöglicher Trost den ich auf diese Weise aussprechen möchte. Als treuer Leser deiner Bücher, Veröffentlichungen, mitreißenden Berichte und großer Bewunderer deiner Person inklusive deiner Familie hat mich die traurige Nachricht vom Ableben deines Vaters und Schwiegervaters zutiefst getroffen. Trotz deiner übergroßen psychischen Belastung, jetzt nicht bei deiner Familie sein zu können, dein großes Ziel den Mt. Everest zu besteigen weiterhin zu verfolgen, ruft mir den allergrößten Respekt hervor. Deine Kraft und dein Mut halfen mir in der Vergangenheit sehr oft, die kleinen Dinge des Alltags zu meistern. Als 65-jähriger, der krankheitsbedingt nicht mehr so wie früher alle Gipfel abgrasen kann, kenne ich die Sehnsüchte und Faszination, die die Bergwelt für uns ausüben kann. Für die große Herausforderung wünsche ich dir viel Kraft und auch viel Glück (vor allem auch Wetterglück) und ich wünsche mir, dass sich alle Tränen, die für deinen Vater vergossen werden in Schutzengel verwandeln, die dich nach Erreichen deines Gipfelsieges wohlbehalten und unbeschadet nach Hause begleiten. Und glaube mir, auf keinen Gipfel der Welt bist du deinem Vater so nahe wie auf dem Mt. Everest !
    Namaste
    Albert.

  3. Fried u. Magdalena Webhofer sagt:

    Lieber Andy!
    Auch wir sind sehr traurig und in Gedanken fest mit dir verbunden! Wir wünschen dir viel Kraft deinen Weg fortzusetzen und sind froh, dass du so eine gute Mannschaft hinter dir hast! Dein Papa, unser Onkel Peter, ist sicher bei dir und stolz auf dich. Besonders in diesen schweren Tagen bist du fest bei uns allen daheim eingebunden. Wir schicken dir viele Schutzengel, die dich begleiten und wieder gut nach Hause bringen. Alles, alles Gute!
    Lena und Friedl mit Familie

  4. Eva Draxl sagt:

    Lieber Andy!

    Auf der anderen Seite…..
    Auf der anderen Seite des Weges

    Der Tod ist nichts,
    Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
    Ich bin ich, ihr seid ihr
    Das was ich für Euch war, bin ich immer noch.
    Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
    Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
    Seid nicht feierlich oder traurig.
    Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.
    Betet lacht, denkt an mich. Betet für mich.
    Damit mein Name im Hause ausgesprochen wird, so wie es immer war,
    ohne irgendeine besondere Betonung, ohne die Spur eines Schattens.
    Das Leben bedeutet das, was es immer war.
    Der Faden ist nicht durchschnitten.
    Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
    nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
    Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Wegs.
    (Charles Peguyv)

    In diesem Sinne möchten wir dir und deiner lieben Sabine unser herzlichstes und aufrichtiges Beileid aussprechen. Dein Vater ist nicht nur in ein anderes Zimmer gegangen. Er ist uns allen einen Gipfel vorausgestiegen. Von dort strahlt er, der dir in deinem Leben soviel geschenkt hat, gestärkt durch Gottes Hand, auch auf deinem derzeitigen Weg die nötige Kraft, Energie, Licht und Liebe. Sei beschützt auf deinem Wege.
    Liebe Umarmung
    Eva, Günther, Andreas (deine Downsyndrom-Gruppe)

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