Everest Basislager 5.165 m

18. April 2017

16. Tag  Puja im Basislager

Oh Freude – heute wieder mehr Infos und auch Fotos von unserem Team aus dem Basislager auf 5.165 m  🙂

„Hallo Sabine,
heute Morgen war nach dem ergiebigen Frühstück die obligatorische Puja angesagt.

Unsere Sherpas bauten schon kurz nach Sonnenaufgang die Pujastätte auf.
Es ist hier im Himalaya üblich, dass vor dem ersten Aufstieg eine religiöse Feierstunde mit einem Lama abgehalten wird.

Unsere Sherpas errichten die Gebetsfahnen (Foto Klemens Bichler)

Unsere Sherpas errichten die Gebetsfahnen
(Foto Klemens Bichler)

Dies soll unserem Team Schutz und Segen für die Besteigung des MT. Everest bringen und vermittelt wirklich eine sehr spirituelle Stimmung.

Ein Feuer wird angezündet, die Sherpas und wir Teilnehmer legen Teile der Bergausrüstung zur Segnung auf die Gebetsstätte.
Der Lama, der aus dem nahe gelegenem Rombukkloster gekommen ist, erbittet für uns die Hilfe von oben.
Erst beginnt er mit recht leisem Gemurmel, dann wird sein Beten immer lauter und schließlich unterstreicht der Lama seine Mantra lautstark mit einer kleinen Glocke und einer Trommel.
Heftig zieht der beißende Rauch des Feuers über die Gebetsstätte, den Lama und uns Bergsteiger hinweg und es erzeugt tatsächlich eine sehr göttliche Atmosphäre.

Puja im Basislager (Foto Wolfgang Klocker)

Puja im Basislager
(Foto Wolfgang Klocker)

Mir kamen sofort die traurigen Gedanken, dass genau vor 3 Jahren, am 18.April 2014 diese schreckliche Eislawine an der nepalesischen Seite des Everest 16 Sherpas das Leben gekostet hat.
Wir waren damals im Basislager, nur wenige hundert Meter von der Tragödie entfernt und wussten an jenem Morgen ja gar nicht, wie schrecklich die Natur auf unseren Versuch diesen wunderbaren Berg zu besteigen, geantwortet hat.

Irgendwie hat mir die Puja heute wieder ein großes Stück an Demut und das Bewusstsein gegeben, welches wohl bitter nötig ist, sich als normaler Bergsteiger so einem großen Ziel zu nähern.
Auch Wolfgang und Klemens wurden von dieser guten Stimmung mitgenommen.

Klemens erhält den Segen vom Lama (Foto Wolfgang Klocker)

Klemens erhält den Segen vom Lama
(Foto Wolfgang Klocker)

In weiterer Folge wurde an uns Reis ausgeteilt, dessen Körner wir dann im richtigen Rhythmus des Gebetes des Lamas in Richtung Gebetsstätte warfen.
Später wurde uns in unsere zu einer Schüssel geformten Hände Bier, Cola und dann noch Whisky ausgeschenkt, was wir gemeinsam mit den Sherpas lautstark schlürften.
Gegen Ende der Zeremonie wurden unsere Gesichter als Zeichen des Schutzes von oben, mit Mehl angestrichen.
Ich selbst habe in den letzten Jahren schon mehrfach die Puja erleben dürfen.
Jedes mal ist es jedoch was ganz Besonderes – direkt am Fuße eines so hohen Berges so etwas erleben zu dürfen.

Andy bekommt einen Khata vom Lama (Foto Wolfgang Klocker)

Andy bekommt einen Khata vom Lama
(Foto Wolfgang Klocker)

Erklärung:
Die Khata, auch Khatag, Katakh, Khatak, Khadag, Haddak oder chinesisch Hada ist ein traditioneller Begrüßungsschal, der in Tibet meist aus weißer Seide – als Symbol für das reine Herz des Überreichenden – und in der Mongolei in hellem Blau – das den Himmel symbolisiert – angefertigt wird.
Er steht für Glück, Wohlwollen und Mitgefühl.
Verwendung:
Khatas werden oft von einem Gast an seinen Gastgeber überreicht um dem Beginn einer Begegnung eine positive Note zu geben.
Des Weiteren werden Khatas anlässlich von Hochzeiten, Beerdigungen, Geburten, Schulabschlüssen oder zum Abschied überreicht. Neben den am häufigsten verwendeten Farben Weiß und Blau gibt es auch Khatas in Rot, Grün und Gelb, beziehungsweise Gold. (Quelle: Wikipedia)

Gegen Mittag war dieses Ritual abgeschlossen und wir wurden von der Küche mit einem herrlichen Mahl verwöhnt.
Jetzt am Nachmittag sind wir damit beschäftigt, unsere Gepäcksstücke die dann von den Yaks für uns ins ABC getragen werden, zu sortieren.

Dabei gilt es sehr gewissenhaft auszuwählen und einzupacken, was oben in den höheren und ganz hohen Regionen des MT. Everest dringend gebraucht wird.
Dagegen müssen die Sachen die wir dann nach der Rotation (Akklimatisierungsaufstieg bis ca. 7.300m) hier unten dringend nötig sind, da gelassen werden.

Schon morgen Früh sollen die tibetischen Yaktreiber mit ihren wertvollen Tragtieren zu uns ins Lager kommen und das ganze Gepäck, die Zelte für weiter oben, die Sauerstoffflaschen, die Gasflaschen, die Seile und die Kletterausrüstung und vieles mehr auf die Rücken der bärenstarken Tiere verladen um damit ins ABC weiter zu ziehen.
Für unsere gesamte Mannschaft sind 46 Yaks bestellt.
Dies ist für die Yaktreiber hier ein einträgliches Geschäft und deshalb sind sie auch sehr freundlich mit uns.

Also alles ist richtig gut hier und ich habe nach wie vor ein sehr gutes Gefühl, hier am Everest, gemeinsam mit Klemens und Wolfi  meinen dritten Versuch zu wagen.

Wir werden morgen schon versuchen, im Zuge einer weiteren Anpassungstour auf diesen 6.000 m hohen Berg hier gleich neben dem Basislager zu steigen, der uns schon vor zwei Jahren hier viel Spaß bereitet hat.

Liebe Grüße an alle Leser und super DANKE!!! Dass ihr euch jeden Tag nach unserem Fortkommen im Blog erkundet.
Euer Wolfi, Klemens und Andy

PS. Noch eine nette Ergänzung.
Mein mir sehr nahe stehender Freund und Bergpartner Anda, der diesmal leider körperlich nicht an meiner Seite sein kann, kommt bei jedem Frühstück hier auf den Tisch 🙂
Wie allgemein bekannt ist, esse ich beim Frühstück immer gerne zwei oder drei gekochte Eier.
Ei heißt auf nepalesisch so was wie ANDA.
Die Sherpas bzw. unser Koch kommt dann immer mit den gekochten Eiern ins Frühstückszelt und ruft: „Anda for Andy!!“  🙂 „

Für heute sind wir wieder einmal verwöhnt, mit einem ausführlichen Bericht, worden ..
Auch von mir liebe Grüße an alle fleißigen Leser und Daumenhalter
euer Bodenpersonal Sabine

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Eine Antwort auf Everest Basislager 5.165 m

  1. Rudi Roozen sagt:

    Andy und Team – ich kenne eure geplante Route und wünsche euch viel Glück und Wohlergehen.
    Ich verfolge eure Berichte und bin im Geiste mit euch.
    Liebe Grüße
    Rudi Roozen

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