Im Basislager auf 5.165 m

14. April 2017

12. Tag Basislager 5.165 m

Auch heute kann ich mit einem aktuellen Bericht von Andy aus dem Basislager dienen…

„Hallo Sabine,
heute gibt es vorerst nicht so viel zu berichten.

Die Küchenmannschaft gibt alles (Foto Klemens Bichler)

Die Küchenmannschaft gibt alles
(Foto Klemens Bichler)

Die erste Zeltnacht haben wir alle sehr gut verbracht und Kopfschmerzen blieben Großteils aus.
Meine Privattoilette hat sich auch schon bezahlt gemacht.
Gegen 23:30 Uhr stieg ich zum ersten Testlauf in die klare kalte Mondnacht und alles funktionierte perfekt.
Wieder ein wichtiger Punkt zum Wohlfühlen hier an diesem unwirtlichen Platz.

Die Temperatur ging in der Nacht schon deutlich runter und der Schlafsack an der Außenhaut und die Innenwände des Zeltes waren durch die Kondensbildung der Ausstrahlung unserer warmen Körper feucht angelaufen.
Klemens hatte heute Nacht in seinem Zelt minus 13 Grad gemessen.

Der Schlaf war jedenfalls bei mir diesmal nicht so tief und wurde immer wieder für eine gute halbe Stunde unterbrochen.
Schön und beruhigend war es für mich, dass sich keinerlei Kopfschmerzen als Zeichen einer übermäßigen Höhenbelastung einstellten.
Ich musste nur geduldig die Nachtstunden an mir vorbei ziehen lassen.
Dies ging gerade in dieser Nacht noch mal etwas schwerer, weil wir gestern Abend gemeinsam mit den Sherpas vereinbarten, die Uhrzeit wieder auf Nepalizeit zurück zu stellen.
Der Sonnenstand und die Gewohnheit unserer nepalesischen Freunde sprechen dafür.
Aber die Nacht dauerte deshalb gleich um 2 Stunden und 15 Minuten länger   🙂
Also eine überlange Nacht mit wenig Schlaf und viel Zeit zum Nachdenken.

Unsere Schlafzelte - Andy-rechts inkl. Toilette, Wolfi-Mitte, Klemens-links (Foto Klemens Bichler)

Unsere Schlafzelte – Andy-rechts inkl. Toilette, Wolfi-Mitte, Klemens-links
(Foto Klemens Bichler)

Dies ist während der Höhenanpassung auf einer neuen Höhenstufe jedoch normal.
Der Puls klopft einfach um 10 Schläge höher als zu Hause in niedriger Höhe weil der Körper unter Anderem sehr viel Arbeit mit der Produktion von roten Blutkörperchen zur Akklimatisierung auch nachts über zu tun hat.
Deshalb ist es für mich in dieser Fase wichtig, meinen Puls bzw. Kreislauf nicht unnötig mit flotten Laufeinheiten oder anderen kräftefordernden Aktivitäten zusätzlich zu belasten.
Also heute ein Extremrelaxtag …
Nichtstun, etwas rumsitzen, viel trinken und den Sherpas beim Aufbau unseres künftigen Diningtent (Essens und Aufenthaltszelt) zuzusehen.
Ein komfortabler großer Dom in dem wir dann in feiner Atmosphäre die nächsten Wochen essen und uns unterhalten können.

Im neuen Diningtent machen wir uns gemütlich (Foto Klemens Bichler)

Im neuen Diningtent machen wir uns gemütlich
(Foto Klemens Bichler)

Jetzt macht unser Bergführer Daniel gerade noch einen Material und Ausrüstungscheck bei den Teilnehmern.

Vielleicht werden wir morgen schon mal einen leichten Spatziergang in Richtung ABC (Vorgeschobenes Basislager) durch das erst sehr flache Tal in Richtung Rombukgletscher unternehmen.
Aber ich bin darauf eingestellt, dass wir hier wohl die nächsten 8 Tage verbringen und zwei oder drei Akklimatisierungsaufstiege machen, bevor wir weiter hinein in Richtung Everest weiter ziehen werden.
Einige unserer Sherpas sollen morgen schon in Richtung Mittelcamp und dann weiter ins ABC steigen, um für uns dort einen guten Platz zu reservieren und alles vor ab zu klären.

Was ich so mitbekommen habe, sind die chinesischen Leute der Routenabsicherung in Richtung Gipfel, schon gestern und auch teils heute von hier weiter aufgestiegen.
Es ist hier an der Nordseite des Everest seit einiger Zeit so, dass nicht die Sherpas der diversen Teams gemeinsam die Aufstiegsroute zum Gipfel mit Fixseilen und auch mal Leitern versichern – dafür gibt es jetzt ein Spezialteam der Chinesen die dies für alle präparieren.
Es gibt an der Malloryroute bzw. Nordroute einige sehr steile Passagen, die wie z.B. der Second Stepp auf ca. 8.600 m Höhe nur mit Hilfe einer Leiter überklettert werden können.
Speziell im Abstieg ist es dann sehr wichtig, dass die Fixseile gut und sicher montiert sind um sich darauf verlassen zu können.
Also hängt unser Gipfelaufstiegszeitfenster mal davon ab, bis wann die Route oben fertig für einen Aufstieg ist.
Also alles gut und die Leute tun alles um das Gipfelglück für uns geschehen zu lassen.

Wolfi checkt die Ausrüstung von Martin (Foto Klemens Bichler)

Wolfi checkt die Ausrüstung von Martin
(Foto Klemens Bichler)

Jetzt hab ich euch mal alles erzählt was derzeit Thema ist.
Alles Liebe und ich hoffe, ich kann euch die nächsten Tage wieder über News informieren.

Alles Liebe,  Andy mit Team

PS.: Für alle Fans der Simkartengeschichte  🙂
Karma hatte mir wohl eine Simkarte organisiert.
ABER: „big size“, was ihm Daniel dazu gemailt hatte, verstand Karma als Grosse Datamenge und nicht wie wir es meinten, große Simkarte für mein altes Nokia Telefon.

Zur Erklärung: Es gibt meines Wissens drei physikalische Größen für Simkarten.
„Normal“, „micro“ und „nano“
Die „normal“ ist die große die in den alten Telefonen Platz hat, die anderen beiden werden aus der „normal“ rausgestanzt und funktionieren dann in I-phones u.a.

Karma hat also nun eine Karte mit „extrem viel Datamenge“ für mich gekauft, was ich ja gar nicht brauche.
Dann hat er zur Sicherheit leider aus der „normal“ zum Testen für sein I-phone eine „nano“ rausgestanzt und mir mit einem freudigen Lächeln gegeben. „Andy!! 6,5 GB“ Datamenge“ sagte er stolz zu mir.
In Tingri hätte er diese Simkarte extra für mich gekauft, auf meine Frage nach den Kosten bin ich mal kurz erschrocken – 150,– US-Dollar habe er dafür  bezahlt.
Also hat ihm da in Tingri jemand Geschäftstüchtiger ganz schön über den Tisch gezogen, und noch dazu, ist die Karte wegen dem Rausstanzen zur „nano“ leider nicht mehr brauchbar.
Unsere Teammitglieder und Martin bezahlten für 2 GB 100 Jen, das sind ca. 15 US-Dollar. Aber wir regeln das und Karma ist schon dabei, für mich eine große alte Simkarte zu organisieren…“

Das wieder zum Thema „unendliche Geschichte Simkarte“ – doch welch Wunder die Geschichte ist jetzt endlich – das bedeutet Andy hat seine Simkarte, die auch funktioniert – erledigt. 🙂  🙂  🙂

So Gott will werden wir weiter aktuelle Berichte und Bilder von unseren Jungs bekommen.
Jetzt können sie sich beruhigt auf den Aufstieg konzentrieren und bei diesem Bild vom Berg der Berge werden ihre Herzen sicher noch höher schlagen – der erhöhte Puls wird wohl nicht nur von der Höhe kommen 🙂 – oder Männer…

MT Everest, unser Traumziel ist heute Morgen klar zu sehen (Foto Daniel Kopp)

MT Everest, unser Traumziel ist heute Morgen klar zu sehen
(Foto Daniel Kopp)

Schlaft gut und träumt was Schönes
euer Bodenpersonal Sabine

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Eine Antwort auf Im Basislager auf 5.165 m

  1. Ι coulԁ not resist commenting. Perfectly աritten!

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