Ankunft im Basislager auf 5.165 m

13. April 2017

11. Tag Basislager erreicht

Anreise bis Basecamp (Andreas Unterkreuter

Anreise bis Basecamp
(Andreas Unterkreuter)

Freut euch über einen persönlichen Bericht von Andy aus dem Basislager…

„Hallo Sabine,
heute sind wir nach einer wiederum guten Nacht um 09. Uhr in Xegar losgefahren.

Gleich nach wenigen Kilometern mussten wir bei einem großen Checkpoint alle aussteigen und in einem Abfertigungsgebäude unsere Pässe und Gesichter herzeigen.
Sehr eigenartig hier in der Einsamkeit des tibetischen Hochlandes.
Dawa erklärte uns nachher, dies sei wegen der Grenznähe zu Bhutan und Nepal.
Na ja, wir hatten ja Zeit…

Wenig später in etwa bei der Abzweigung Tingri (rechts) und Everest Basislager (links) kam uns zufällig ein Kleinbus aus der Richtung Tingri entgegen und zweigte auch zum Everest Basislager ab siehe da – in diesem Bus saßen unsere Sherpas.

Also wussten wir, wir sind auf die Minute gleichzeitig an diesem Punkt angelangt obwohl beide Teams so unterschiedliche Anreisen hinter sich haben.
Wir wussten aber auch, wenn wir im Basislager ankommen wird noch nichts aufgebaut bzw. vorbereitet sein.

Die nächsten km führte eine sehr sehr schön ausgebaute neue Straße wieder auf einen 5.200 m hohen Übergang, dem Pangla Pass.

Die neuer Passstraße auf den PANGLAPASS (Foto Klemens Bichler)

Die neuer Passstraße auf den PANGLAPASS
(Foto Klemens Bichler)

Von da aus sahen meine Begleiter die Himalayahauptkette mit Cho Oyu (8.201 m) in der Mitte, Shisha Pangma (8.013 m) ganz weit rechts und MT Everest (8.848 m) etwas links vor uns liegen.
Der Makalu (8.485 m) links des MT Everest war hinter den Wolken.

Blick vom PANGLAPASS auf den Himalayakamm (Foto Klemens Bichler)

Blick vom PANGLAPASS auf den Himalayakamm
(Foto Klemens Bichler)

An der anderen Seite des Passes fuhren wir runter bis in die Ebene auf ca.4.200 m.
Es hat uns alle gewundert, wie perfekt diese Straße hier ins Gelände gemeißelt war.
Irgendwann zweigte die alte Straße, die uns schon 2011 und auch bei meinem zweiten Everest Versuch 2015 von Tingri hier her gebracht hatte, von rechts in unsere „Hauptstraße“ ein.
Diese „Shortcut“ Straße, wie diese von Dawa bezeichnet wurde, ist nun anscheinend wegen Lebensgefahr gesperrt.
Ich kann mich erinnern, im Rahmen unserer Akklimatisierungstour fuhren wir 2011 am Weg zur Shisha Pangma auf einen Abstecher ins Everest Basislager und auch 2015 über diese extreme Holperpiste ins Basislager am Fuße des Rongbukgletschers .
Weiter ging die flotte Fahrt über frischen Asphalt und in Kürze erschien das wohl höchste Kloster der Erde, das Rombukkloster an der linken Straßenseite.
Der Höhenmesser zeigte 5.000 m.

Erst bei der „Souvenierzone“ und beim „Postamt“, von wo wir schon 2011 eine Ansichtskarte vom höchsten Postamt nach Hause geschickt hatten, hörte der Asphalt auf.
Die letzten 200 Höhenmeter ging es die wenigen Kehren auf Schotterstraße rauf zu dem großen Schotterplatz des so genannten Chinis Basecamp an der Nordseite des MT Everest auf einer Höhe von 5.165 m.

Wir stellten fest, nur sehr wenige Teams sind hier gelandet und sind gerade dabei, die Camps langsam aufzubauen.
Wir haben 7 Expeditionscamps gezählt, deren Sherpas gerade beginnen, die Zelte zu errichten.

Unser Bus steuerte über den mit groben Schotter bedeckten Platz ganz hinüber in Richtung des Eingangs  zum Rongbukgletschers bzw. Ausgangspunktes in Richtung ABC (Vorgeschobenes Basislager) verlaufenden Weiterweg und in Richtung MT Everest.

Hier standen sie auch, unsere Sherpas mit der Küchenmannschaft in ihren blauen Jacken die deutlich mit FURRTENBACH ADFENTURES bedruckt sind.
Aber leider ohne Gepäck und Stuf.

Sehr  sehr herzlich war die Begrüßung mit unseren verlässlichen nepalesischen Begleitern und Wegbereitern zu unserem Traumziel.
Es muss einfach immer wieder deutlich und laut gesagt werden.
Ohne diese liebenswerten und hoch empathischen Menschen hätten wir keine Chance geschweige denn einen Funken, uns diesem Giganten überhaupt zu nähern.
Ich spürte in der ersten Sekunde der Umarmung mit Karma, dass es diese genialen hoch motivierten Burschen ernst mit uns meinen und alles dafür geben, gemeinsam mit uns den Gipfel zu erreichen.

Der LKW mit der gesamten Ausrüstung, Zelten, Essen, Brennstoff, unseren persönlichen Ausrüstung und Kleidungsgegenständen soll in einer Stunde hier eintreffen.
Diese eigentlich etwas ungünstige Situation, weil niemand von uns nun die passende Kleidung und Ausrüstung für diesen windigen, ausgesetzten Platz über 5.000 m im Reisegepäck aus Lhasa dabei hatte, brachte die wirklich gute Stimmung gleich in Unordnung.
Jeder kramte im Rucksack nach irgendeinem doppelten oder wärmeren Kleidungsstück und zog sich das drüber.
Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass man sich genau in solchen Augenblicken ganz schnell verkühlt, was die nächsten Tage dann mit Husten und Halsschmerzen bitter bereut wird.

Daniel, unser Bergführer, der übrigens seit Tagen wie ein Schäfer auf seine Schafe schaut, auf jeden von uns aus meiner Sicht vielleicht sogar zu viel eingeht, packte ein kleines Päckchen aus seinem Rucksack mit Hauswürstchen und etwas Käse aus.
Unsere Gesichter strahlten und Daniel hatte es wieder geschafft, mit seinem so herzlichen zillertaler Scharm uns glücklich zu stimmen.
DANKE Daniel, DANKE dass Du dabei bist und dass Du so viel Energie für uns übrig hast!!!

Nach ca. 45 Minuten knatterte tatsächlich der LKW und gleich darauf auch der Zweite daher und die Sherpas begannen emsig mit der Entladung.

Im Basislager – der LKW wird entladen (Foto Klemens Bichler)

Im Basislager – der LKW wird entladen
(Foto Klemens Bichler)

Wie fleißige Bienen versuchten sie unser Camp in Windeseile für uns aufzubauen.
Im Normalfall sind die Sherpas vier Tage vor den Teilnehmern im Basislager und können alles für ihre Gäste vorbereiten.
Durch die Sperre der Grenze während der Anreise gab es diese Verzögerung.
Aber alle sind wir froh, dass der Grenzübergang von Nepal nach China für unsere Sherpas überhaupt aufgegangen ist.

Unsere Zelte werden aufgebaut (Foto Klemens Bichler)

Unsere Zelte werden aufgebaut
(Foto Klemens Bichler)

Wolfi und Klemens filmten den Aufbau und ich machte gleich mal mit Karma ein kleines Interview.
Danach machten wir uns auf, das Basislager, welches vielleicht 600 m lang und 300 m breit ist, nach den anderen angekommenen Teams zu erforschen.
Dieser erste Spaziergang machte uns wirklich Spaß und es war wieder zu spüren, dass unsere Körper diesen Sauerstoffentzug hier auf über 5.000 m nicht als ganz fremd empfanden.
Das Höhensimulationszelt im Schlafzimmer? War das wirklich vorteilhaft?  🙂
Nur ganz wenige Menschen hier im Camp, und wir sind bei den Ersten dabei, auch mal was Besonderes…

Als wir zu unserem FURTENBACH-Camp zurück kamen standen schon einige Schlafzelte und die Küche sowie ein provisorisches Essenszelt.
Karma ging super auf unsere kleinen Wünsche im Bezug auf die genaue Situierung der Zelte ein und es ist ein Basislager entstanden, welches meiner Optimal Vorstellung gleicht.

Ganz am Rand zur Moräne, also zu einer für mich spürbaren Abgrenzung der Basislagerebene steht nun mein Schlafzelt, 50 cm neben meinem Zelt jenes von Wolfi, wieder anschließend kann sich Klemens zur Nachtruhe legen.
In der Reihe hinter unseren drei Zelten dann Anja, Martin und Oliver, und Bastijan wollte noch etwas weiter hinten sein Privatlager aufschlagen.
Wo Daniel sein Zelt stehen hat, das weiß ich noch nicht.
Direkt vor dem Ausgang von meinem, Wolfis und Klemens Zelten wird dann morgen das große Diningtent, also das Essenszelt aufgebaut.

Und obligatorisch, von meinem Zelt führt ein Handlauf, gemacht aus einem Kletterseil, direkt die 10 m hinüber zu meinem Privatklosett.
Für alle die das vielleicht noch nicht von meinen vorigen Expeditionen gelesen haben, für mich ist es enorm wichtig für  meine Anpassung an die Höhe und mein Wohlbefinden, dass ich selbstständig wann auch immer ich muss oder möchte, den Weg ins stille Örtchen beschreiten kann.
Anderenfalls gibt es in mir eine unbewusste Hemmschwelle genug zu trinken, zu essen usw. weil ich ja immer denken muss, wenn ich zur Toilette muss, dann muss ich ja immer jemanden stören, der mich begleitet –  und das ist laut meiner Erfahrung der letzten 10 Jahre einfach nicht zumutbar bzw. nötig.
Weder für meine Partner noch für mich selbst.

Die Zelte haben wir jetzt gleich mal mit unseren luxuriösen dicken Unterlagsmatten und den Daunenschlafsäcken eingerichtet.
Die ganze Bekleidung, Ausrüstung usw. wird nun sukzessive verräumt und alles ist in bester Ordnung.

Andy nach der Ankunft im Chinies Basecamp (Foto Klemens Bichler)

Andy nach der Ankunft im Chinies Basecamp
(Foto Klemens Bichler)

Jetzt freue ich mich auf ein gutes Abendessen und hoffe, dass der wirklich gute körperliche Zustand auch die Nacht über anhält und der wohl wichtigste Tag zurzeit, der zweite Tag nach der Ankunft auf der nächsten Höhenstufe unserer Reise auch noch gut verläuft.
Dann wäre der Weg frei, uns auf  die weitere Höhenanpassung vorzubereiten und uns auf die nächsten Schritte zu freuen.

Also soweit mein Bericht von heute, ich denke, alles ist richtig positiv und ihr seid alle mit uns dabei, wir können es jedenfalls deutlich spüren…
DANKE!!!  Alles Liebe aus dem Basislager des höchsten Berges unserer Erde,
Andy, Wolfi, Klemens, und Daniel ruft auch gerade rein, ich soll euch grüßen!!!“

Noch ein paar Erklärungen:

Bhutan
Das Königreich Bhutan (‚Land des Donnerdrachens‘) ist ein Binnenstaat in Südasien.

Bhutan liegt in Südasien und grenzt im Süden an die indischen Bundesstaaten Sikkim, Westbengalen, Assam und Arunachal Pradesh (von Westen nach Osten) sowie im Norden an Tibet (China). Die Oberflächengestalt Bhutans ist vom Himalaya geprägt. Über 80 Prozent des Landes liegen in über 2.000 m Höhe. Das Land hat mit 38.394 km² etwa die Größe der Schweiz. Mehr als zwei Drittel des Königreiches Bhutan sind bewaldet.
Das Land gliedert sich in drei Landschaften: Im Süden, an der indischen Grenze, verläuft die Ebene von Duar, eine schmale Niederung, die zu den Ausläufern des Ganges-Brahmaputra-Tieflandes gehört. Nördlich davon steigt das Land steil an. Die 2.000 bis 3.000 m hohen Berge des Vorderhimalaya sind das Hauptsiedlungsgebiet. An der Grenze zu Tibet liegt die Hochgebirgsregion Lunana. Höchster Berg des Landes ist der 7.570 m hohe Gangkhar Puensum. Es ist der weltweit höchste Berg, der noch nie von einem Menschen bestiegen wurde. Der zweithöchste Berg ist der Kula Kangri. (Quelle : Wikipedia)

Der Rongpu-Gletscher (auch Rongbuk- oder Rongbu-Gletscher), ist neben dem Khumbu-und Kangshung-Gletscher einer der drei Gletscher, die sich vom Mount Everest ergießen. Er befindet sich im Kreis Dingri des Regierungsbezirks Xigazê im Autonomen Gebiet Tibet der Volksrepublik China. Er hat zusammen mit dem Westlichen Rongpugletscher eine Länge von etwas mehr als 25 km. Der Rongpugletscher wurde von George Mallory bei der Suche nach möglichen Aufstiegsrouten zum Mount Everest 1921 erkundet.
Die Nordwand des Mount Everest ist das Nährgebiet des Hauptgletschers. Es reicht vom Nordgrat, der die Nordwand unterteilt und mit dem Changtse verbindet, entlang der Nordseite der Westschulter bis zum Khumbutse. Weiter westlich – zwischen Pumori, Nup La und Gyachung Kang – liegen die Nährgebiete des Westlichen Rongpugletschers, der sich westlich des Changtse mit dem Hauptgletscher vereint und nun nach Norden abfließt. Etwa 4 km talwärts jenes Zusammenflusses mündete der Östliche Rongpugletscher, dessen Gletscherzunge das Eis des Hauptgletschers inzwischen nicht mehr erreicht. Der Östliche Rongpugletscher nährt sich aus den Schneemassen des östlichen Teils der Everest-Nordwand sowie der Ostseite des Changtse. Über den Östlichen Rongpugletscher verläuft die Standard-Nordroute zur Besteigung des Mount Everest, hier liegt auf etwa 6400 m das vorgeschobene Basislager. Am Ende des Rongpugletschers befindet sich das Basislager der Nordroute, weiter abwärts des gleichnamigen Tals liegt das Rongpu-Kloster. (Quelle : Wikipedia)

Namaste, bis morgen euer Bodenpersonal Sabine

 

 

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2 Antworten auf Ankunft im Basislager auf 5.165 m

  1. Werner Bertolan sagt:

    Lieber Andy,

    der Verlust Deines Vaters tut mir sehr leid. Ich weiß, wie wichtig er immer für Dich war.

    Ich wünsche Dir trotz allem die Kraft und den Mut nun weiterzugehen – und endlich den Gipfel dieses Berges zu erreichen. Es wäre ganz im Sinne Deines Vaters. Er wird Dich dabei begleiten.

    Ich umarme Dich. Herzliche Grüsse. Werner

  2. Marcel sagt:

    Lieber Andy, liebes Bodenpersonal und liebes Expeditionsteam,
    ich verfolge Andys Aktivitäten seit einiger Zeit mit sehr großem Interesse! Ich selbst bin von meiner Geburt an blind und mich hat auch Andys Film unter blinden sehr beeindruckt.

    Heute habe ich nun deine Webseite näher durchgelesen und bin auf deinen Blog gestoßen. Ich bin wirklich begeistert davon, dass ich euch nun täglich auf eurer Gipfelbesteigung begleiten darf.

    Ich möchte dir sagen, dass ich dir alles Glück der Welt für dein Vorhaben wünsche. Gerade der Tot deines Vaters will verarbeitet werden und dafür wünsche ich dir viel Kraft.

    Danke auch dir liebe Sabine, dass du alles so genau dokumentierst. Ich finde das ganz prima von euch, auch weil ich selbst gern die Welt bereise und darüber meine Reiseberichte aus meiner Sicht, also der Sicht eines blinden Menschen schreibe.

    Ich begleite dich ab jetzt auf deiner Expedition und hoffe, dass ihr alle gesund und munter seit und bleibt.
    Liebe Grüße,
    Marcel

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