Andy und Team melden sich

23. Tag   Team immer noch im ABC Camp auf 6.400m

Unsere Puja wird vorbereitet

Unsere Puja wird vorbereitet
Foto Wolfgang Klocker

 

 

 

 

 

Klemens, Andy und Flo bei unserer Puja

Klemens, Andy und Flo bei unserer Puja
Foto Wolfgang Klocker

 

 

 

 

 

 

Hier die aktuellen Infos von unserem Team aus China.

„Hallo Sabine,
Ich versuche jetzt mal den Stand der Dinge aus unserer derzeit extrem eingeschränkten Sicht hier oben am “Vorgeschobenen Basislager” auch “ABC” genannt, auf einer Seehöhe von 6.440m an der Nordseite, also der chinesischen Seite des Mt. Everest in Worte zu fassen.

Das ABC auf 6.400m

Das ABC auf 6.400m
Foto Wolfgang Klocker

Die Bergsteiger mit deren Sherpas, die genau wie wir Vier, seit Anfang April mit einem Herzensziel unterwegs sind, unseren Traumberg, den Mt. Everest zu besteigen, wurden seit dem extremen Erdbeben vom 25 April um die Mittagszeit (Lokalzeit) genau so wie der Rest der Erdbevölkerung tief getroffen von diesem schrecklichen Ereignis.

Für uns hier oben ist der Informationsfluss des Geschehenen wahnsinnig eingeschränkt und wir sind auf kurze Blitzmeldungen die von Zelt zu Zelt, von Camp zu Camp, durch die Köpfe verschiedenster Menschen mit unterschiedlichsten Mentalitäten, bis zu uns vordringen, angewiesen.
In jeden Fall ist es auch uns klar, dass da etwas ganz ganz Fürchterliches passiert ist.

Es ist so unheimlich surreal, schon 9 km Luftlinie, genau auf der anderen Seite des Everest, auf dem meine sehenden Freunde täglich viele Stunden mit ehrfürchtigem Blick hier von Norden hinauf schauen, soll an dessen Südseite dieses Beben so nahe von uns, seine Opfer die in selber Passion und Freude unterwegs waren, so hart getroffen haben.

Das ganze Khumbugebiet, welches an der Südseite des Everest liegt, wo all die liebenswürdigen Sherpas die uns genau so wie den Opfern an der anderen Seite des Berges so beim Aufstieg helfen, zu Hause sind, soll ja auch sehr stark zerstört worden sein.

Es gibt so gut wie keinen Sherpa in unserem Team, der nicht enormen Schaden in seiner Heimat erfahren hat.
Gott sei DANK, hat laut heutigen Wissensstand das Erdbeben, aus den Familien unserer Sherpas in meinem Team keine Menschenleben gefordert.
Was in Kathmandu, den umliegenden Dörfern und Regionen mittlerweile an Opfern zu beklagen ist, drückt uns Vier auch gehörig an die Seele……

Ich selbst bin jetzt mit Wolfi so ziemlich in derselben Situation als es exakt vor einem Jahr gewesen ist.
Auch da wussten wir nicht, was dieses Unglück nun für die Welt und auch uns bedeuten soll……
So wie mich mein Verstand und mein Herz in meinem ganzen Leben schon nach großen Rückschlägen und anscheinender Benachteiligung geführt hat, war es auch letztes Jahr nach der Eislawine im Khumbueisfall nach 16 Sherpaopfern.

Ich stand wieder auf, motivierte mich und meine Freunde, meine Familie stand wieder hinter mir und wir versuchten gemeinsam, unseren Traum vom Everest aufs Neue zu realisieren.

Und nun gibt jeder alles, Wolfi sagt mir die Stufen und Steine an, Klemens steigt mit Flo hinter uns, alle Vier mit höchster Freude und Motivation, ganz oben im Östlichen Rongpuk Gletscher in Richtung ABC, und plötzlich reißt uns ein unheimliches Rauschen und Schütteln mit anschließenden Krachen und Poltern von Stein und Eislawinen links und rechts unseres Pfades aus unserer Konzentration.

Auf einen Schlag alles anders, die eigenen Prioritäten und Ziele, Träume und Sehnsüchte, alles nur noch sekundär…..

Einfach wieder knall hart mitgeteilt bekommen, “Andy, Du bist nicht im Paradies, es gelten andere Regeln als die Regeln, die Du Dir manchmal ausdenkst….”

Und das meine liebe Sabine und meine Leser, genau das hat mir mein Leben so oft schon versucht beizubringen….
Man hat selbst einfach nicht das Recht zu beurteilen, ob das Leben gerecht oder ungerecht zu einem ist…..
Man hat meiner Meinung lediglich das Recht, aus dem was ist, das seiner Meinung nach Beste zu gestalten…..
Und selbst dies geht öfters sauber in die Hosen….

So, nun noch zum Unwichtigeren, zu den Fakten unserer weiteren Vorgehensweise auf unserer Reise zum Dach der Welt.

Gestern Abend noch besuchten wir Vier, Klemens, Flo, Wolfgang und ich das Camp von Kari Kobler um Neues zu erfahren.
Clemens Strauss, der so nette und liebenswerte Everestversucher aus Graz lud uns auf einen Tee ein.
Auch Markus, Gerd und Richi unterhielten sich mit uns.

Klemens bereitet sich gedanklich auf den weiteren Aufstieg vor im Hintergrund der Weg zum Nordcol Camp 1

Klemens bereitet sich gedanklich auf den weiteren Aufstieg vor im Hintergrund der Weg zum Nordcol Camp 1
Foto Wolfgang Klocker

Kari sei schon am Morgen in Richtung Basislager abgestiegen weil sich dort anscheinend ein Beamter aus der Chinesischen Regierung aus Lhasa einfinden sollte.
Eine große Besprechung bezüglich des weiteren Vorgehens am Everest soll stattfinden.
Heute Morgen erfuhr ich von Ted, unserem Sauerstoffmaskenspezialisten, der gleich neben uns sein Zelt aufgebaut hat, dass jetzt am Vormittag die Gespräche unten am Fuß des Berges weiter gehen und eine Entscheidung noch in den nächsten Stunden zu erwarten sei.

Wie lange die nächsten Stunden auch sind, es ist für alle nicht ganz leicht, in diesem Gedankengewirr seine Konzentration für das Ursprungsziel zu fokussieren.

Es ist wie ein Hohn, das Wetter könnte schöner nicht sein, Sonnenschein und warm unter Tags, Flo nur 600Hm, bzw. wenige Stunden unter seinem Ziel den Lhakpa Ri, und der Everest lockt uns hämisch mit seiner schneebedeckten Nordseite bis ins Essenszelt.

Mystische Stimmung mit Lhakpa Ri im Hintergrund

Mystische Stimmung mit Lhakpa Ri im Hintergrund
Foto Wolfgang Klocker

Nun warten wir einfach geduldig auf die nächsten Stunden, versuchen diszipliniert dem Sauerstoffmangel zu trotzen, und helfen uns gegenseitig wie es im Tal niemals denkbar wäre, diese enorme körperliche und geistige Herausforderung gemeinsam positiv zu erleben.

Mehr gibt es derzeit nicht zu berichten….

Wolfgang, Klemens, Flo und ich sind bei bester Gesundheit
Andy mit seinen Freunden

PS.: Ihr habt keine Ahnung wie sehr uns eure Wünsche und Gedanken helfen, sogar der Arbeitgeber von Flo hat bezüglich einer eventuell späteren Rückkehr schon so positiv reagiert!!! DANKE!“

Danke euer Bodenpersonal Sabine

 

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14 Antworten auf Andy und Team melden sich

  1. Markus K. sagt:

    Hallo Andy
    Ich bin seit deinem Aufbruch zum Everest dabei und hielt dich bisher für einen aufrichtigen Alpinisten. Doch auch bei dir bröckelt die Fassade. Es scheint als gebe es unter den Extrembergsteigern immer weniger Menschlichkeit. Es ist mir natürlich klar, dass ich mir nicht anmaßen darf, deine Entscheidung zu kritisieren, aber wer sich so in die Öffentlichkeit drängt ist auch angreifbar. Vielleicht sollte man klare Zeichen vom Berg akzeptieren. Aber es geht nur noch um den eigenen Ruhm und einen Vorteil hast du als Blinder. DU musst nicht auf der anderen Seite hinunterschauen. Also ich wünsche euch, dass ihr so oder so wieder gesund zu euren Familien zurückkehrt. Vielleicht könnt ihr zu Hause den wahren Grund des Bergsteigen finden und zurück zu den Wurzeln finden.

    • Harald Bauer sagt:

      Wie viele unschuldige Tote im Tal braucht ein Ego, damit ihm am Berg die Augen aufgehen?

      Harald Bauer

    • Alex sagt:

      Hallo!
      Es gibt Menschen, die sich ein Ziel setzten, im Falle von Andys Superteam ist das der Mt. Everest. Wer stark ist, kann sein Ziel erreichen. Es kann passieren, dass die Natur bei der Vollfüllung des Traumes ihre Finger ins Spiel bringt und sie ein paar Steine auf den Weg legt. Ein solcher Stein war die Eislawine im letzten Jahr. Da war nichts mehr zu machen, der Versuch musste abgebrochen werden. Nun hat die Natur noch nicht genug und sie legt noch einen Stein in den Weg. Ein Erdbeben. Verheerend, schrecklich, unbegreiflich, traurig, zerschmetternd die Zahl der Toten. Doch die Erde bebte nicht, weil Andy mit seinem Team einen zweiten Versuch gestartet hat. Sie bebte einfach so, unabhängig von Andys Expedition. Und wenn einer ein Kämpfer ist, und Andy ist ein Kämpfer, dann lässt er sich nicht von einem solchen Beben aufhalten. Nicht weil er kein Herz hat, nicht weil er nicht mit den Opfern mitfühlt, sondern weil er die Zeit nicht zurück drehen kann, das Beben nicht ungeschehen machen kann und sich die Welt für jeden Einzelnen, der noch am Leben ist, weiter dreht.
      Wenn für das Team keine akute Gefahr droht, warum sollte es dann umkehren? Was haben all die Toten davon, wenn das Team sein Vorhaben wieder auf Standby stellt? Und was die Überlebenden?
      Die vier werden die richtige Entscheidung treffen. Wenn sie sich gut fühlen, gehen sie weiter, und wenn nicht, dann eben nicht.
      Ich hoffe jedoch, dass Flo, Wolfi, Klemens und Andy ihren Traum vom höchsten Berg der Welt erfüllt bekommen, und zwar nicht erst in zwei Jahren! Viel Glück! Möge alles gut gehen und kommt gut rauf, wieder runter und dann nach Hause zurück!
      Berg Heil!

  2. Jutta sagt:

    Der Berg war es nicht, der klare Zeichen gesetzt hat. Das Beben fand nicht am Everest statt, sondern bei Kathmandu. Dass man Auswirkungen bis zum Everest spürte, ist klar.
    Ein Erdbeben ist eine Naturkatastrophe, die überall auf der Welt vorkommt, und sie tritt meist unverhofft und schnell ein.
    Es ist ganz furchtbar, was da passiert ist. Es ist ganz furchtbar, dass so viele Menschen ihr Leben lassen mussten.
    Aber diese Katastrophe nun den Bergsteigern anzulasten, ist sehr unfair. Und es ist noch mehr unfair, sie für kaltherzig und unmenschlich zu bezeichen, weil sie ihren Weg weiter gehen wollen.
    So eine Expedition kostet wahnsinnig viel Geld. Und die Sherpas leben von solchen Expeditionen. Gerade bei solch einer Naturkatastrophe sollte man sogar dankbar sein, dass sie trotzallem noch Arbeit finden, in dem sie die Bergsteiger hinauf begleiten können! Sie brauchen das Geld für ihre Familien, jetzt noch viel mehr!
    Undwelche Fassade bröckelt bei Andy? Das ist doch lächerlich! Andy ist gestern, heute und morgen der gleiche Mensch. Und aus seinen Worten kann man sein und das seiner Kameraden tiefe Mitgefühl sehr deutlich heraus lesen.
    Eine Everestexpedition ist kein Spaziergang, den man so leicht abbrechen kann, schon gar nicht von bereits über 6.000 Metern Höhe.
    Es wäre fair, die Entscheidung der Bergsteiger zu akzeptieren, egal, wie sie ausfällt.

    Lieber Andy, liebes Team, es gibt sehr sehr viele Menschen, die für Euch beten und Eure Entscheidung mittragen. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen alles Gute, auch mein Gebet begleitet Euch.

    • Liz sagt:

      Besser, als Jutta es schreibt, kann man es nicht ausdrücken. Ich schließe mich absolut ihrer Meinung an.

      • Alfons Hannes sagt:

        Heuer geht niemand mehr auf den Gipfel – aber in in ein zwei Jahren kann es eine tolle Expedition für dieses Team geben mit einer breiten Spendenaktion zum Wiederaufbau der Dörfer der Sherpas. Das kann wen neuner niemand besser als der Andy – alles gute am langen Weg nach Hause!

  3. Diana Stapelfelt sagt:

    Ich habe durch das Posting auf Tom Andreas Beck’s Facebook Seite erfahren, dass ihr momentan nichts weiter tun könnt, als da oben auszuharren und zu warten. Ich schicke euch ganz viel Kraft und ich hoffe dass die Nachbeben Euch nicht erreichen werden. Die ganze Situation in dem Gebiet ist für uns hier in Europa kaum nachzuvollziehen. Es sind aber sehr viele Rettungsteams aus aller Welt unterwegs in das Gebiet und ich bin sicher, dass alle Rettungsteams ihre gesamte Erfahrung und Kraft mitbringen um alle, die Hlfe benötigen, schnellstmöglich zu erreichen. Bitte bleibt weiterhin so guter Dinge und ich hoffe, dass Eure Vorräte und Eure Kräfte noch lange halten werden. Auch wenn in den Medien viel darüber berichtet wird, dass es ein 2-Klassenrettungssystem geben soll, kann ich nur immer wieder sagen: Jedes Schicksal ist für sich zu betrachten. Es ist wunderbar, dass ihr es offensichtlich relativ gut überstanden habt, dass niemand verletzt ist – aber sicher nach Hause wollt ihr natürlich auch. Und genau das hoffe ich für Euch, dass ihr trotz aller Widrigkeiten am Fusse des Bergs einen Weg finden werdet, nach Hause zu kommen. Ich hoffe einfach, dass alle Menschen die von der Katastrophe betroffen sind, schnellstmöglich Hilfe bekommen. Vielleicht habt ihr ja sogar noch Möglichkeiten vor Ort etwas für die Menschen zu tun. In der Not muss man zusammenrücken, und wenn es nur ein heisser Tee ist, den man verteilt. Ihr wisst, was ich meine. Ich habe gestern 50 Euro an die “Aktion Deutschland Hilft” überwiesen. Wer nicht direkt helfen kann, muss geben können… ALLES GUTE, ALLES LIEBE FÜR EUCH.

    Ich schicke euch Kraft und grüsse Euch aus dem hohen Norden, aus Schleswig-Holstein.

    Eure Diana ♥

  4. Roger Stuber sagt:

    Lieber Andy
    Nur ihr alleine könnt eure Lage am Besten einschätzen. Kritik hilft hier Niemandem. Ich vertraue euch und respektiere eure Entscheide zu 100 Prozent. Dein Bericht vom 23. Tag beeindruckt mich sehr. Meine Gedanken sind bei den Menschen in Nepal, bei Dir Andy, Flo, Wolfi und Klemens. Macht es gut. Roger

  5. Armin sagt:

    Ich kann mich ebenfalls nur Jutta anschließen! Ich denke Andy, Wolfgang , Klemens und Flo machen sich die Entscheidung sicher nicht leicht und sind mit ihren Gedanken bei den zahlreichen Opfern des Bebens! Nur können sie auf über 6000m an der anderen Seite des Berges weder an der derzeitige Situation etwas ändern noch den Betroffenen helfen! Wenn`s so wäre gäbe es für die Jungs sicher keine Diskussion!
    Mit dem Verbleib vor Ort können sie wenigstens das derzeitige Einkommen den an der Expedition beteiligten Sherpas sichern und ihnen auch Trost spenden!
    Ich weiß nur, dass sich Andy weder an die Öffentlichkeit drängt noch dass es um jeden Preis ein Gipfelerfolg sein muss!
    Ich kenne wenige Menschen die so ehrlich und aufrichtig sind wie Andy und respektiere jegliche Entscheidung die sie treffen werden!

  6. Stefan Schwarz sagt:

    Hallo Andi, liebes Team,
    ich wünsche euch von ganzem Herzen alles Gute für euer Vorhaben.
    Schöne Grüße vom Kaunerberg.

  7. Lore Ebner sagt:

    Als Bergsteigerin und langjährige Freundin von Andy Holzer verfolge ich mit großem Interesse und Anteilnahme die Everest-Expedition. Als es zu dem fürchterlichen Erdbeben kam, war mir klar, das wird keine leichte Situation für Andy und sein Team. Andy ist zur öffentlichen Person geworden, er polarisiert. Gibt er am Berg auf, werden die einen sagen, sie haben´s ja gewusst, dass er es nicht schafft, geht er weiter, wird er der „Unmenschlichkeit“ bezichtigt.
    Ehrlich gesagt kam auch mir ganz kurz der Gedanke, ob es nicht besser wäre, die Expedition abzusagen, für die Optik wäre es besser. Aber eben nur für die Optik oberflächlich denkender Menschen.
    Es ist eine sehr herausfordernde Frage, inwieweit Sportler ihre persönliche Interessen angesichts von Katastrophenfällen oder menschlichem Unrecht zurückstellen sollen und es ist weiteres ein sehr umfassendes Thema, inwieweit der einzelne Mensch überhaupt noch imstande ist, am Schicksal anderer teilzuhaben.
    Ich denke da an Olympische Spiele und WM-Austragungen in Ländern, die die Menschenrechte mit Füßen treten und die ganze Welt schickt ihre Sportler zur Teilnahme dorthin. Ich denke an schreckliche Unfälle bei der Formel 1oder auf Rennpisten und die Show geht weiter. Wieviel Unrecht ist es, heiße Disco-Partys zu feiern, während der Sportkamerad im Spital um sein Leben ringt?
    Nehmen wir Galtür als weiteres Beispiel, eine Naturkatastrophe mit mehr als 30 Toten – in nicht betroffenen Gebieten wurde weiterhin fleißig Schigefahren. Eine der allerschrecklichsten Naturkatastrophen war der Tsunami mit rund 300.000 Toten, trotzdem haben in diesem Schicksalsjahr und in den kommenden Jahren dort weiterhin Menschen ihre Urlaube verbracht. Das Mittelmeer ist zum Massengrab tausender Flüchtlinge geworden, trotzdem plantschen alljährlich die Urlauberscharen fröhlich in eben diesem Wasser. Und noch eine Frage: wie fühlt es sich an, bei vollen Tellern zu sitzen oder gar Lebensmittel wegzuwerfen, wenn wir wissen, dass täglich hinderte Kinder in andern Teilen der Welt verhungern? Wo bleibt unsere Solidarität mit all den hungernden, kranken, verzweifelten, verletzten oder gefolterten Menschen in dieser Welt? Sind wir alle zu verdammen?
    Zurück zu Andy und zu seinem Team. Würden sie auf ihrem Weg zum Gipfel einem Bergsteiger in Not ihre Hilfe verweigern, wäre das auf´s schärfste zu verurteilen. Doch wie ich Andy kenne, würde er keine Sekunde zögern, Menschenleben zu retten, der Gipfel wäre kein Thema mehr. Den Nepalesen können sie jedoch momentan in keiner Weise helfen.
    Sie befinden sich ja auf der tibetischen Seite des Everest. Der Berg ist die höchste Grenze der Welt, China und Nepal sind zwei völlig konträre Länder. Geben die Chinesen das ok zur Besteigung, dann halte ich es für moralisch richtig und gerechtfertigt, dass Andy weitermacht. Ich bewundere ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen in dieser Situation. Ein Gipfelsieg wäre der persönliche Lohn für seine jahrelangen Anstrengungen.
    Aber er könnte noch mehr bewirken, er könnte das mediale Interesse auf die Not in Nepal ummünzen und so gesehen wiederum beträchtlich zur Unterstützung des Landes beitragen. Er könnte seinen Gipfelsieg den Opfern des Erdbebens widmen und in seinen Vorträgen für den Wiederaufbau des Landes werben. Wie ich Andy kenne, wird er genau das tun.
    Nepal braucht jetzt die Untersetzung der Weltöffentlichkeit, sonst gibt es in dem bitterarmen Land nicht 5.000 oder 8.000 tote durch das Erdbeben sondern hunderttausend Tote durch Verhungern.
    Noch kurz zu Andys Person: Ja, Andy hat sich in den letzten Jahren verändert. Als ich ihn 2008 kennenlernte, war er sowie heute ein fröhlicher, lebensbejahender Mann, wirkte jedoch verunsichert punkto seiner Lebensgestaltung und Ziele, konnte seine Energie noch nicht in richtige Bahnen kanalisieren. Er hat sich unheimlich stark weiterentwickelt, und zwar sowohl als Bergsteiger als Mensch und als Geschäftsmann. Ich bewundere seinen Mut, sich der Welt so zu präsentieren wie er ist. Wie bereits erwähnt, er polarisiert. Der großen Mehrheit hat er durch seine Vorträge und seine Lebensweise Mut gemacht, sie mit Hoffnungen erfüllt. Offenbar gibt es aber auch andere Menschen, die es, stört, dass sich Andy Holzer nicht in das Bild einordnen lässt, das sie sich von Menschen mit Handicaps machen. Er ist kein Dulder, keiner der am Sofa hockt und gottergeben sein Schicksal hinnimmt, sondern einer, der mutig alle Herausforderungen annimmt, über die sich viele Sehenden nicht darüber trauen. Das verärgert so manche Kleingeister.
    Lieber Andy, ich wünsche dir auf deinen beschwerlichen Weg nach oben weiterhin alles Gute. Vor allem, kommt alle gut und gesund nach Hause
    Sollte es mit dem Gipfelsieg nicht klappen, denk daran, den Everest in dir hast du bereits bezwungen.
    Lore

    • Andrea und Carmen sagt:

      Vielen Herzlichen Dank an Lore Ebner für Ihre klaren Worte! Ich kann Ihr nur beipflichten, es gibt etliche Leute mit Handicap, die sich nicht hinter der Ofenbank verstecken, sondern mit viel Mut und Energie ihr Leben meistern. (Ich bin eine von denen)
      Andy und seinem Team wünsche ich viel Aushaltevermögen und Gottes Segen für die richtige Entscheidungen.
      Liebe Grüße, Carmen

  8. Juliane sagt:

    Lieber Andy, anhand der Auswahl Deiner Worte, die Formulierung der Sätze, den sehr überlegten Zeilen, glaube ich entnehmen zu können, wie sehr Euch das Alles aufwühlt und wieviel in Euren Köpfen vorgeht.
    Ich bin in Gedanken fast ständig bei Euch und ich möchte an dieser Stelle nur eines loswerden: Es ist wie im vergangenen Jahr: Es gibt kein “richtig” oder “falsch”. und es gibt keine bessere Einschätzung als Eure! Wer entfernt ist kann und darf sich keinUrteilbilden, denn was hier an Informationen im Umlauf ist. entspricht nur selten der Realität. Vertraut auf Euer Gefühl-auch wenn das sicherlich gerade nicht einfachbzu ergründen ist-aber ich bin mir sicher, Ihr werdet es schaffen! Seid gedrückt, liebe Grüße, Juliane

  9. Susanne sagt:

    Lieber Andy, liebes Team,
    wie schon Juliane sagt, es gibt kein richtig oder falsch. Hört auf Eurer Gefühl und entscheidet für Euch. Jutta hat es in Ihrem Bericht ebenso zum Ausdruck gebracht. Hier kann ich mich nur anschließen.
    Auch ich hatte einen Traum. Ich wollte die “Höchsten” Berge der Welt sehen. Dies habe ich mir erfüllt und war Anfang April auch in Nepal und habe Euch im Hotel gesehen. Ich kann die Emotionen zwischen wunderschönen Erleben und fürchterlicher Katastrophe nachvollziehen.
    Egal wie Ihr Euch entscheidet, kommt Gesund wieder zu Euren Familien zurück.

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