Unglückstag heute vor genau einem Jahr

13. Tag Unglückstag heute vor genau einem Jahr

Der 18. April ist für mich ein Datum, das ich nicht so schnell vergessen werde – mir kommen sofort die Ereignisse und Horrormeldungen von 2014 in den Kopf …
Unglück am Mt. Everest – Eislawine tötet 16 Sherpa – Holzer mit Team in unmittelbarer Nähe …
Ihr, meine treuen Leser der Expeditionstagebücher, habt sicher auch wieder die Bilder und Medienberichte in euren Köpfen.
Jetzt ist ein Jahr vergangen und mein Andy ist wieder mit seinen Freunden am Fuße des Mythos Mt. Everest – warum nicht, Schicksale und Unglücke passieren und trotzdem dreht die Welt sich weiter …
Wir können nur Daumen halten und unseren Männern Glück und Teamgeist für ihr großes Unternehmen wünsche.
Nach meinen persönlichen Gedanken folgt jetzt wieder Andys Bericht aus dem Basislager auf 5.200m.

„Hallo Sabine,
Wir sitzen eben beim Abendessen, Pizza und Kartoffel konsumiert und nun wieder mein Netbook am Tisch.
Ich hörte schon in der Nacht, dass es leise an die Zeltwand schneit und uns wohl ein Morgen mit Zuckerguss erwarten würde.

Morgenstimmung am Fuße des Mt. Everest

Morgenstimmung am Fuße des Mt. Everest
Foto Wolfgang Klocker

Laut dem Thermometer von Flo, dessen Zelt unmittelbar neben meinem steht, hat es in der Nacht minus 7 Grad im Zelt.
Also gute frische Luft wenn ich die Nase aus dem Carinthia-Schlafsack stecke, während der Körper, nur in der Unterwäsche, sich wohlig fein fühlt.

Gegen 06:30 Uhr wurde ich heute ohne Wecker munter und sofort schoss mir die exakt gleiche Stunde vor einem Jahr, am 18. April 2014 in den Kopf.
Zu diesem Zeitpunkt lag ich 15 km südlich von hier, im Basislager der Südroute auf den Everest in meinem Zelt, als ich das Donnern der unglückbringenden Eislawine im Khumbueisbruch vernahm.
Auf einen Schlag war dann alles anders und die Besteigung des höchsten Berges der Welt rückte in weite Ferne.
Heute am Jahrtag gedenken auch hier ganz viele Menschen gemeinsam mit den Sherpas des fürchterlichen Unglücks von 2014.

Als ich um kurz vor 8:00 Uhr aus meinem Zelt steige, spüre auch ich ohne Sicht, dass der Schotterboden vor den Zelten heute wunderbar weich gedämpft vom Neuschnee war.
Die Sonnenstrahlung spürte ich gleichzeitig und schon brach es aus mir heraus, “Mannda, aufstehen, ein super schöner Morgen wartet auf uns”.

Ein verschneiter Morgen im Basislager Ein verschneiter Morgen im Basislager  Foto Wolfgang Klocker

Ein verschneiter Morgen im Basislager
Foto Wolfgang Klocker

Nach dem wie immer für mich sehr eierhaltigen Frühstück brachen wir Vier dann zu einer Wanderung in Richtung Intermediatecamp, unserem Mittellager am Weg zum ABC auf.
Der Hintergedanken dabei war neben weiterer Höhenanpassung einfach schon mal einen Teil des Weges kennen zu lernen, der uns dann bei unseren Aufstiegen in Richtung ABC und weiter zum Gipfel erwartet.

Flo führt Andy, Klemens und Wolfi in Richtung Mittelcamp

Flo führt Andy, Klemens und Wolfi in Richtung Mittelcamp
Foto Archiv Holzer

Dabei begleitete uns auch Tensing, einer unserer Sherpa.
Für mich war der Pfad, den wir zu einem Drittel am Weg zum Mittelcamp begangen haben, gar nicht mal so schlecht begehbar.
Nicht all zu viel Blockwerk und dazwischen immer wieder gangbarer Schnee und somit kamen wir gut voran.

Andy und Wolfi begegnen einem Yak

Andy und Wolfi begegnen einem Yak
Foto Klemens Bichler

Nach dem Rückweg trafen wir auf Ted, dem bergsteigerischen Leiter der britischen Gruppe und machten darauf noch einen Rundgang durch das Basislager.
Reini, der bereits früher erwähnte Bergsteiger aus Niederösterreich, der wie Lois und Clemens im Team von Kobler und Partner unterwegs ist, lud uns auf eine Tasse Cafe und darauf noch auf ein schönes Bierchen mit Cola ein.

So erfuhren wir eindrucksvoll, mit welch unterschiedlichen Standard hier die Bergsteiger versuchen, den Everest zu besteigen.
Ein eigenes Kuppelzelt für Sport und Spaß, ausgestattet mit Billardtisch, ein Tischfussballtisch waren nur die ersten Highlights, die die Augen von Flo und Klemens überraschten.
Ein eigenes Internet-Mediazelt und ein Restaurantähnliches Diningzelt komplettieren diesen Camp Aufbau.
Extrem freundlich wurden wir von Kari, dem Chef dieser Agentur begrüßt und aufgenommen.

Somit haben wir diesen Nachmittag ohne Mittagsschlaf in unseren Zelten verbringen können, was uns heute Nacht eine vielleicht gut durchschlafende Nacht bereiten könnte.

Soweit unsere Meldung an zu Hause und wir hoffen, euch geht es auch so gut wie uns hier :-)
Alles Liebe und wir versuchen nach und nach, den Wünschen und Beschwerden die hereinkommen, gerecht zu werden.
So garantiere ich euch für morgen einmal ein Foto von meinem stillen Örtchen :-)
Wolfi, Klemens, Flo und Andy“

Unser Superteam Klemens,  Andy,  Wolfi und Flo

Unser Superteam Klemens, Andy, Wolfi und Flo
Foto Archiv Holzer

Mädels wie ihr hier am Foto erkennen könnt wachsen unsere Männer langsam zu (Bärte) – der Yeti hätte seine Freude mit ihnen  ;-)

Morgen werden sie noch einen weiteren Tag hier im Basislager – es scheint ihnen dort sehr gut zu gehen – verbringen.
Die Basics – essen, trinken, schlafen und ein bisschen spazieren gehen – für die Akklimatisierung sind sehr wichtig für das weitere Vorankommen am Berg.

Tashi Delek – Glück und Segen!
euch allen wünscht euer Bodenpersonal Sabine

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2 Antworten auf Unglückstag heute vor genau einem Jahr

  1. Andrea und Carmen sagt:

    Ob mit oder ohne Barte… hauptsache sie kommen lebend und gesund wieder ;) Vielen Dank für Deine liebevolle Berichtserstattung Sabine!
    Liebe Grüße, Carmen und Andrea

  2. aus Sillian sagt:

    liebe expeditionsteilnehmer!
    ich schicke euch einmal liebe grüße aus osttirol – besonders dem florian – ich sehe, dass bei euch alles im grünen bereich ist. andy lernt den rhytmus seiner stimmungen kennen, die schokolade ist abgelaufen und hatte keine folgen. heute habe ich mir gedacht – ihr seid beim baisislager angelangt und habt ein ziel – den einen berg oder den anderen – die gemeinschaft im team und die gemeinschaft im basislager – der eine kontakt – der andere – alle haben das gleiche, ein ähnliches ziel – ihr passt euch an.
    wenn ich mit euch gehe – die berichte verfolge – dann bricht jetzt auch die frage bei mir langsam auf – wo ist mein basislager – wie schaut es aus – ich lese gerade viktor frankl – wieder einmal – die trotzmacht des geistes – erlebniswerte – schöpferische werte – einstellungswerte – so eine expedition ist ein erlebniswert – mit den sinnen werden die lokalitäten wahrgenommen – der körper beobachtet – die psyche beobachtet – was erlebe ich – was dringt auf mich als person ein – bei jedem von euch sind es unterschiedliche eindrcke – höchst individuelle eindrücke – dann sind es eindrücke, die ihr in der gruppe austauscht – erlebnisse, die ihr gemeinsam habt – jeder von euch drückt sich anders aus – der eine schreibt -der andere fotografiert – alle gehen und passen sich an – alle schlafen und passen sich den gegebenheiten an – für den einen ist es eine ganz neue erfahrung sich diesen gegebenheiten zu stellen, der andere dockt schon an erfahrungen an.
    die frage – wie wird es weitergehen – was ist in einem monat anders – welche erfahrungen sind da neu – die angst – geht alles gut – was ist mit dem was nicht berechenbar ist – ihr legt es in gottes hände – habt dies schon gemacht – vertraut darauf, dass alles gut ausgeht.
    nun – die frage für mich ist heute – wie passe ich mich heute den gegebenheiten der äußeren umstände an … wie geht es mir dabei … was erfahre ich neues – mit dieser neugierde im herzen fühle ich mich euch verbunden
    euch eine gesegnete zeit – besonders florian
    mb

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