Ankunft in Thingri auf 4.350m

8. Tag Ankunft in Thingri auf 4.350m

Heute kann ich wieder mit aktuellen Infos von unseren Bergsteigen selbst dienen und freu mich dass es ihnen so gut geht.
„Hallo Spatz,
Am Samstag nach der Ankunft in Nyalam bietet Mayor Kirsty Watson, die Ärztin vom britischen Armeeteam welches parallel zu unserem Team unterwegs ist, an, dass wir bei der Einschulung für Höhenmedizin und Notfallverhalten bei Höhenkrankheiten, dabei sein dürfen.
Kirsty war schon mehrere Saisonen Höhenmedizinerin im Medicalcamp im Everest Basislager an der nepalesischen Südseite.

Es war hoch interessant die ganz aktuellen Erkenntnisse der Höhenanpassung des Menschen zu erfahren.
Z.b. ist es nicht mehr relevant, unsinnig viel Flüssigkeit zu trinken, wenn man in große Höhe geht, um den Körper besser anzupassen.
Im Gegenteil, man belastet den Körper mit zu viel Flüssigem…. Also nur so viel trinken, dass der Urin nicht dunkel, sondern schön hell bzw. weißlich bleibt.

Sie erklärte und zeigte uns die Verwendung des Überdruckbags (portable altitude chamber – kurz PAC), in welchen man im Notfall den höhenerkrankten Bergsteiger hineinlegt und dann in einen Überdruck versetzt.
Mit einer Fußpumpe wird der körpergroße Sack so stark aufgepumpt, dass dem Erkrankte im Überdrucksack eine um 2.500 Höhenmeter tiefere Seehöhe simuliert wird.
Somit kann er sich in drei bis vier Stunden soweit erholen, dass der Erkrankte vielleicht noch mal die Kraft bekommt, selbstständig ins tiefere Lager abzusteigen.
Soweit nichts Neues in der Theorie, aber selbst angefasst und getestet hab ich dieses System noch nie zuvor.

Überdruckbag

Überdruckbag
Foto: Klemens Bichler

Kirsty hat uns auch angeboten, für uns im Ernstfall selbstverständlich da zu sein.
Sie möchte dafür als Gegenleistung jeden Tag einmal von uns kurz gedrückt werden :-)

Anmerkung Bodenpersonal: ich glaub Mädels, wir daheim gebliebenen können damit leben…  ;-)

Andy klettert die Treppe ins einzige Restaurant in Nyalam

Andy klettert die Treppe ins einzige Restaurant in Nyalam
Foto: Florian Brunner

 

 

 

 

 

 

13.04.2015:
Gerade sind wir in Thingri auf 4.365m eingetroffen.
Heute Morgen schneite es in Nyalam stark und gut 10cm Neuschnee lag auf der Strasse. Bis zu unserer Abfahrt um 11:00 Uhr war noch nicht klar, ob wir überhaupt losfahren können.

Andy und Flo auf den Strassen von Nyalam am Weg zum Frühstück

Andy und Flo auf den Strassen von Nyalam am Weg zum Frühstück
Foto: Wolfgang Klocker

Die Fahrt ging in 4 Stunden auf teilweiser Schneefahrbahn über den 5.149m hohen Tong La Pass hinunter, vorbei an der Abzweigung zum Shisha Pangma Basislager, wo wir 2011 abgezweigt sind, ins tibetische Hochland in Richtung Thingri.

Blick am Tong La Pass

Blick am Tong La Pass
Foto: Florian Brunner

Leider war laut meinen Freunden heute keine Aussicht auf die Achttausenderriesen Shisha Pangma zur Linken und Cho Oyu und Mt. Everest zur rechten Seite der Strasse.
Die dichten Wolken die den starken Schneefall der letzten Nacht verursacht haben, sind noch nicht zur Gänze aufgelöst.

Wenn ich die Strecke von Zangmu bis Thingri mit der von 2009 vergleiche, als wir unsere Spuren an den Flanken des Cho Oyu hinterlassen hatten, gleicht dies heute einer Hochgeschwindigkeitsautobahn.
Laut meinem GPS ist unser chinesischer Fahrer mit guten 90 Sachen über das Hochland gebrettert.

Tibetisches Hochland

Tibetisches Hochland
Foto: Florian Brunner

Hier in Thingri fuhren wir das mir altbekannte “Hotel” an, wo ich schon mehrfach genächtigt habe.
Da bekamen wir wieder spitzenmäßiges chinesisches Essen und gleich danach wurden wir jetzt wegen Überfüllung leider in ein anderes “Hotel” umgesiedelt.
1km entfernt kamen wir in eine noch in Bau befindliche Lodge.
Die Türrahmen sind noch in Folie, die Befestigungsklammern ragen bedrohlich in die Türöffnung und das Lustigste die WC sind zwar pickfein installiert und komplettiert, aber leider noch nicht mit Wasser versorgt.
Ihr könnt euch vorstellen, was nach der langen Fahrt nicht nur mir persönlich, sondern einigen anderen Leuten prompt passiert ist.
Ganz entspannt auf die hierzulande sehr sehr seltene Kloschüssel, sein Geschäft gemacht und oh Schreck, beim Drücken der Spültaste kam keine Reaktion der sündteuren Apparatur.
Jetzt laufen die Betroffenen teils mit erröteten Köpfen aus den Folientüren und gemeinsam mit den Einheimischen und Wassereimern wird nun versucht, das Malheur zu beseitigen.

Sodala, mir egal, für zwei Tage ist das hier zum Aushalten und ich freu mich schon wieder auf das Abendessen…..

Andy mit Flo beim Blogen Foto: Wolfgang Klocker

Andy mit Flo beim Blogen Foto: Wolfgang Klocker

Die größte Freude des Tages, bzw. wohl dieser Reise ist jedoch ganz etwas Anderes:
Meine Sabine hat mich während dem Mittagessen von zu Hause angerufen, dass es bezüglich des tragischem Lawinenereignisses am 01. April in den französischen Alpen, bei dem zwei meiner, bzw. unserer Freunde aus Osttirol unmittelbar betroffen waren, sehr gute NEWS gibt.
Clemens, der in der Klinik in Innsbruck perfekt betreut wird, soll nun ansprechbar und am aufsteigenden Ast seiner Gesundheit sein.
Mir hat es nach diesen Worten meiner Sabine die Tränen in die Augen getrieben.
Ich und wir alle freuen uns unsagbar, wenn sich unser Clemens erholen wird und seinen unbändigen Lebenswillen möglichst ungebremst fortführen darf.

“CLEMENS! Wolfgang, Klemens, Flo und ich denken oft an Dich und schicken Dir KRAFT!!!”

Sodala, mit schöneren Neuigkeiten kann ich meinen heutigen Eintrag wohl nicht beenden.
Alles Liebe aus Thingri,
Andy mit seinen Buam

PS : Bei Wünschen oder Beschwerden bitte an das Bodenpersonal wenden, wie das z.B. Paula B. schon gemacht hat (Jetzt kommen Bilder vom Flo!!)“

 

Florian Brunner

Florian Brunner
Foto: Wolfgang Klocker

Auch meine Gedanken sind bei Clemens und seinen Lieben …

Tashi Delek – Glück und Segen!
euch allen wünscht euer Bodenpersonal Sabine

 

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