Endgültiges AUS für Mt. Everestbesteigung

 

23.Tag Expeditionsausrüstung wird zusammen gepackt

So meine treuen Leser und Daumenhalter jetzt ist es gewiss unser Team beendet ihren Aufenthalt im Mt. Everest Basislager auf 5.380m.
Andy hat mir gerade seinen heutigen Bericht aus dem Basislager gemailt zur Information.

„Hi Spatz,
Heute Morgen hat uns Dawa Steven die offizielle Absage aller Expeditionen hier verkündet.
Unsere Sherpas stünden zwar bereit, aber da ab sofort die großen Expeditionsagenturen auch abpacken gibt es keine Möglichkeit mehr, die Route zu legen, so Dawa.

Ob hier noch viele Bergsteiger in der Verfassung sind, einen Fuß in den Khumbueisbruch zu setzen, das ist die andere Geschichte.

Seit einer Woche stehen wir alle hier unter einer sehr bedrückten Stimmung und eine Motivation für den Everest ist auf null gesunken.
Die Sherpas stehen naturgemäß Gewähr bei Fuß, was aber auch nur vordergründig zu sehen ist.
Wenn ich mit Tensing oder Nimar tiefer ins Gespräch komme, dann dringt diese unwahrscheinliche Traurigkeit ganz herzberührend durch.

Ich glaube einfach, der Everest will dieses Jahr an der Südseite seine Ruhe haben und das ist zu akzeptieren.

Wie lächerlich ist doch unser “Misserfolg“ gegen dem unfassbaren Verlust, den so viele Sherpafamilien seit dem Karfreitag erleiden müssen.

Für mich persönlich fühlt sich diese frühe Umkehr gar nicht als Niederlage an.
Ich durfte während dieser Reise so wahnsinnig viel Neues für mich lernen, so tolle Menschen kennen lernen und auch am Lobuche Peak einen wunderschönen Sechstausender ersteigen.

Mit Tensing, meinem persönlichen Begleiter und Sherpa hab ich einen neuen Freund kennen gelernt.
Wir haben uns im Falle einer Rückkehr zum Everest schon miteinander als Team vereinbart.

Wolfi, Daniel und Andy - drei Freunde

Wolfi, Daniel und Andy – drei Freunde

Ganz extrem gefreut hat mich mein kleines Team, Daniel und Wolfi, die mit mir unglaublich warmherzig und seelennahe umgegangen sind.

Bei Daniel, mit dem ich schon zwei Reisen hinter mir habe, war mir schon von beginn an klar, welch tollen und einfühlsamen Menschen trotz alpinistischen Spitzenqualitäten ich als direkten Partner und Freund an der handhabe.

Wolfgang, der “Neuling” in meinem Team, hat mich mehr als überrascht.
Ich wusste natürlich im Vorfeld nach unseren Trainingstouren welch starker, ruhiger und vor allem, verlässlicher Mann der Wolfi ist, was er mir jedoch während meinen AUF und ABS bei unserer Reise an Empathie und Herzenswärme schenkte, das hätte ich diesem hochkonzentrierten und auf dem Punkt programmierten Alpinisten nun doch nicht zugetraut.
DANKE Wolfi!!!

Ganz lieben Dank unseren Anda! Mein vierter und von Anfang an wichtigster Mann ist ja durch eine Schulterverletzung kurz vor Abreise ausgefallen.
Er stand mir Tag und Nacht, telefonisch und via Mail mit Rat und Tat zur Verfügung und ich spüre Anda immer in unserer Seilschaft.

Die Kraft, die unsere Familien zu hause uns trotz Schreckensmeldungen und Unverständnis in der westlichen Medienlandschaft immer geschickt haben, die hatten wir diesmal bitter nötig.

Für mich ganz persönlich ist es so wichtig, schon Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte Menschen an meiner Seite zu haben, die mit mir hinaus in die Natur gehen um meinen Sport erst mal zu ermöglichen.
Wenn der blind climber für diese oder jene Leistung bewundert wird, dann wird meist vergessen, dass dies nur die Spitze eines massigen Fundamentes von an die 200 Bergtouren in den heimatlichen Bergen mit meinen Freunden möglich wird.
Nur bei einer schönen Bergreise mit Andy mitzufahren, das ist leider zu wenig…

Also ich denke in dieser Stunde ganz fest an Hans Bruckner, Anda U., Hansjörg F., Florian B., Mira U., Andreas und Gretel B., Peter M., Franz Josef W., Toni P., Martin K., Hans W., Peter K., Andreas Sch., Thomas und Andi N., David D., Herbert K., Sepp K., Sepp V., Roby O., Pepi M., Lore E., Erwin R., Klaus A., Helmuth, Christoph,………… und alle die mich begleiten.  
DANKE!!!

So, genug der Emotionen, jetzt gehe ich zum letzten Mal in mein Zelt im Basislager weil wir morgen Früh in Richtung Lukla aufbrechen.
Unsere Reise wird dann über Kathmandu nach München und nach Hause, direkt in die Arme meiner Sabine und meinen Lieben enden.

Ich bin mir sicher, dies war wieder ein weiterer Schritt meiner Entwicklung und ich freue mich schon darauf, dass ich euch bei meinen Vorträgen etwas von dem Flair dieser wohl unvergesslichen Tage im Everestgebiet übermitteln kann.

Alles Liebe aus dem Basislager des Mt. Everest,
Andy Holzer und Freunde“

Ich freu mich, wenn unser Team gesund und munter als Freunde zu hause ankommt.
Tashi Delek – Glück und Segen für alle treuen Leser
euer Bodenpersonal Sabine

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6 Antworten auf Endgültiges AUS für Mt. Everestbesteigung

  1. Jutta sagt:

    Lieber Andy,
    dein Abschlussbericht geht sehr zu Herzen. Es ist so schön, wie sehr du dich mit all deinen Freunden in und außerhalb deiner Heimat verbunden fühlst. Es ist nicht selbstverständlich, solch tolle Freunde zu haben!
    Dein Traum, am Everest zu stehen, wird sicher in Erfüllung gehen. Für die Rückreise wünsche ich euch alles Gute! Kommt gut zuhause an.
    Schade, dass ich doch so weit von Tirol entfernt wohne (nämlich in Wien), dass ich an deinen sicherlich tollen Vorträgen nicht teilnehmen kann. Oder kommst du vielleicht auch mal nach Wien? Wenn ja, dann lass es mich bitte wissen!
    Nochmals gute Heimreise und viele Grüße auch an deine tolle Frau Sabine.

    • Carmen Heyn sagt:

      Ich schließe mich den Worten von Jutta an. Schade, dass auch ich nicht an den Vorträgen teilhaben kann, da ich noch weiter wegwohne als Wien (ich komme aus Ostsachsen in Deutschland)
      Euch allen eine gute und gesunde Heimreise.
      Lg, Carmen

  2. Luggi sagt:

    hallo Andy und team im fernen osten und zu hause,
    natürlich tut es mir für euch und alle anderen leid, die umerfüllter dinge nach hause fahren müssen. aber ich bin überzeugt davon, dass der abbruch kein scheitern, sondern ein unbeeinflussbares ereignis ist und jeder von euch ganz sicher sehr viele positive momente und eindrücke mit nach hause nehmen kann. nur wer nicht immer ganz nach oben kommt weiß, was erfolg ausmacht und dass “misserfolg” entscheidende erfahrungen fürs ganze leben mitbringt.
    ich freue mich auf alle fälle, wenn ihr wieder alle gesund zu hause seid und es ein wiedersehen gibt.
    ganz groß ist meine hoffnung und erwartung, dass das tragische ereignis für die betroffenen sherpas samt familien eine besserstellung bringt und die beeindruckenden leistungen dieser menschen eine gesteigerte wertschätzung erfahren.
    liebe grüße aus dem pinzgau
    luggi

  3. Gerald&Silvia sagt:

    Servus Andy, wir beide haben deinen Blog gelesen und sind sehr traurig und berührt.Traurig das es deinem Team und dir nicht gelungen ist auf den Everest zu kommen. Ein klein bisschen weiß ich wie es sich anfühlt seit ich mir dir in Ecuador mit gehen durfte..Berührt sind wir von der Tragödie mit den Sherpas. Heilfroh das unserem Freund nichts geschehen ist und du gesund bei uns zurück bist. Freuen uns , wenn es die Möglichkeit gibt von diesem Erlebnis deinen Bericht zu hören. Es grüßen dich und Sabine ganz herzlichst
    Gerald & Silvia

  4. großalber michael sagt:

    Hallo Andy und Team!
    Ich weiß was es heißt eine Expedition abzubrechen, Gratuliere euch diese Entscheidung getroffen zu haben.
    Den Familien der Sherpas wird diese Entscheidung Kraft und Mut für die Zukunft geben!
    Kommt wieder gut zurück in die Heimat!!
    lg Karin und Michael Ternberg OÖ
    bis zum hoffentlich nächsten Vortrag in Steyr oder Ternberg???

  5. Malcolm Rowe, Australia sagt:

    Hi Andy
    Glad you have returned safely from Everest Base Camp. A very emotional couple of days for us all… we were back at Lukla where the airport was busy with helicopters, retrieving the injured Sherpas, and those who did not survive. it was a very quiet day for most of us. Don’t we so underestimate the commitment of these wonderful people.

    It was a great (and fun) experience for me to meet you along the way. The principal of our school, one of my trekking mates, has used our story numerous times in his addresses to students at school assemblies – in the context of explaining endurance, and persistence. Near the end of her 4km cross country race just last week, one girl was exhausted, and nearly ready to give up. “But then I though about what you said about that blind Andy guy, and it gave me more energy!”

    Your influence reaches distant places.

    All the best with your plans for the next year. I hope one day we might catch up again. There is a tiny little mountain in Australia, Kosciusko is 2200m, however, there are numerous cliffs and crags in the Grampians mountain range near where I live, Hamilton, Victoria, which provide some most spectacular climbing. Search for Mt Arapiles, as an example.

    Kind regards
    Mal

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