Versammlung im Mt. Everest Basislager

22. Tag Noch immer keine Entscheidung im Basislager

Gerade habe ich einen ganz aktuellen Bericht von unseren Männern aus dem Mt. Everest Basislager, auf 5.380m wo sie immer noch ausharren, bekommen.

„Hi Spatzl, mein Bericht:
Heute Morgen kam ich mir hier im Basislager vor, als ob ich auf der Landebahn eines Verkehrsflughafens mein Zelt aufgebaut hätte.
Fast lückenlos kamen Hubschrauber an und flogen wieder ab.

Ganz klar, die Regierung in Kathmandu hat auf die arge Problematik hier im Everestgebiet reagiert und ihre Abordnung hoch zu uns geschickt.

Gegen 8:30 Uhr sah man Menschenbewegungen dem steinigen Weg durch das lang gezogene Basislager hinauf in Richtung des oberen Helilandeplatzes marschieren.
Sherpas, Touristen, Offizielle, Yaks und am Ende stieg auch Wolfi mit mir hinterher.

Ähnlich einer Politikerveranstaltung scharrten sich hunderte Leute um einen energisch sprechenden und wild gestikulierenden Sherpavertreter, der in Landessprache mit einem Pack von Zetteln in der Hand, die Anliegen der Sherpas, die hier am Everest seit Jahrzehnten ihren Dienst tun, an die Regierungsvertreter verkündete.

Politische Versammlung im Basislager auf 5.380m

Politische Versammlung im Basislager auf 5.380m

Wir verstanden natürlich kein Wort. Nur das in unregelmäßigen Abstand aufbrausende Gejubel der hunderten Sherpas machte mir klar zu verstehen, dass er bei seiner Ansprache wohl den Kern ihrer Sorgen gut trifft.
Gleich im Anschluss kam Ang Tshering Sherpa, Vater von Dawa Stevens, war vor 30 Jahren der Gründer von Asia Trekking und Präsident der Nepal Mountaineering Association, ist ein wichtiger Mann, zu Wort.
Noch einige Akteure pusteten ihre Meinung unters Volk bis dann der Minister of Tourismus auf die steinige Bühne gebracht wurde.
Da dieser mit seinem Offizier per Helikopter direkt aus Kathmandu angeflogen wurde, hielt er seine Rede unter zu Hilfenahme von künstlichem Sauerstoff.

Wenn der Anlass dieses Auflaufes nicht so tragischen und traurigen Hintergrund gehabt hätte, wäre dieser Anblick, eines etwas auf wackeligen Beinen mit Sauerstoffgerät ausgerüsteten Regierungsvertreters fast spaßig gewesen.
Am Ende der Geschichte wurden all die offiziellen Männer mit einigen Hubschraubern wieder nach Hause geflogen und die Menge löste sich langsam wieder auf.

Anscheinend erklärt sich die Regierung bereit, die Anliegen der Sherpas zu prüfen um dann vielleicht weitere Schritte einzuleiten.
Alleine wenn ich bedenke, dass ein Hubschrauberflug vom Basislager nach Kathmandu viele viele tausend Doller kostet, dann weiß ich, was die hier nun zurückgelassenen Sherpas von diesem Auftritt halten und haben werden…

Für uns Bergsteiger wird nun immer deutlicher, dass sich unser Ziel, die Besteigung des Mt. Everest wohl in das Land der Träume verziehen wird.

Blick in den Khumbueisfall zur Unglücksstelle

Blick in den Khumbueisfall zur Unglücksstelle

Unsere Sherpas sind immer noch total traumatisiert, haben sie doch eigenhändig ihre Freunde nach dem Lawinenabgang aus den Eismassen geborgen und ins Basislager befördert.
Jetzt können und wollen sie sich nicht vorstellen, wieder durch den Khumbueisbruch zu gehen.

Einige Expeditionsteams beginnen heute mit dem Zusammenpacken und werden hier abhauen.

Unser Operator Dawa hält uns immer noch etwas hin mit einer Entscheidung ob und wann es nach unten oder oben gehen soll.
Ich persönlich glaube, dabei handelt es sich um eine gewisse Taktik. Wenn der Kunde sagt, “ich hau jetzt ab”, dann hat er keinen Anspruch auf Refundierung.
Wenn das AUS vom Touroperator kommt, dann ist er seinen Kunden gegenüber wohl auch verpflichtet…?

Es geht pro Bergsteiger hier um eine Investition eines Mittelklassewagens und für mich persönlich gilt das für gleich drei Personen.
Keinesfalls möchte ich übers Geld jammern. Aber das was wir bis zu einem jetzigen Abbruch unserer Reise von unserer Agentur an Support bekommen haben, hätte einen Wert von vielleicht USD 7.000,–.
Also es geht auch finanziell hier um einiges.

Für Daniel, Wolfi und mich ist es wie beim Bergsteigen, was kommt muss gemeistert werden und der Berg gibt die Spielregel vor.

Wir werden uns selbstverständlich der allgemeinen Meinung und Empfehlung hier anschließen und dem Rat von Dawa Stevens gerne annehmen.

Wenn es vielleicht von außen so aussieht, als ob ich und meine Freunde hier mit Nachdruck ausharren, dann bitte ich zu bedenken, nur wer tatsächlich im Basislager des Mt Everest vor Ort ist und die Ereignisse hautnah erlebt hat, darf darüber urteilen…

Also meine lieben Leser,
Der Herr Gott weiß unsere nächsten Schritte, wir warten auf offizielle Entscheidungen…
Alles Liebe,  Andy mit Team“

Warten, warten,…
Euer Bodenpersonal Sabine

 

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2 Antworten auf Versammlung im Mt. Everest Basislager

  1. Roger Stuber sagt:

    Lieber Andy
    Vielen Dank für Deinen einmal mehr sehr einfühlsamen Bericht zu den aktuellen Ereignissen bei euch im Basislager. Von uns zuhause kann sich wohl wirklichlich Niemand vorstellen wie sich die Situation bei euch präsentiert. Eine Wertung der Ereignisse vor Ort und eurer Entscheide steht uns hier in Europa wirklich nicht zu!
    Liebe Grüsse nach Nepal, Roger

  2. Das ist jetzt sicherlich eine aufregend, traurige und ungewisse Zeit die ihr Drei mit allen anderen am Berg jetzt durchmacht. Vor Andys Einstellung zu dieser Situation habe ich Hochachtung. So lange Vorbereitung, soviel Aufregung und Vorfreude und jetzt… Aber wie Andy bereits in einem seiner Interviews sagte: “Es geht nicht um Erfolg oder Mißerfolg…”, (also nicht der Berg um jeden Preis)
    Schweren Herzens heißt es jetzt sicher Abschied nehmen. Unsere Gedanken sind bei euch, und ähnlich wie ihr trauern wir mit den Familien der verunglückten Sherpas. Doch mit Sicherheit können wir das große Leid und die Folgen für die Angehörigen und alles was damit verbunden sein wird. nicht erfassen.
    Wie jeden Tag sind unsere Gedanken bei euch und wir möchten euch hiermit ein paar unterstützende Gedanken senden….

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