Mt. Everest Basislager auf 5.380m

21. Tag Diskussionen im Mt. Everest Basislager

Andy mit Juliane

Andy mit Juliane
im Mt. Everest Basislager

Nach den vielen verschiedenen, teils sehr negativen Medienberichten, habe ich nun endlich ganz aktuelle Informationen von Andy und seinem Team.

„Hallo Sabine,
Heute machen wir hier wieder Dreh und Interviews, mit Wolfi Spatziergang durchs Camp in Richtung Khumbueisfall, da geht man fast eine Stunde hin.
Viele viele Diskussionen wie es hier weiter gehen soll…….

Gestern Abend wieder eine Ansprache von Dawa Stevens, welche uns nicht unbedingt ermutigt hat.
Laut Dawa soll gestern eine Gedenkpuja weiter oben im Basislager stattgefunden haben.
Die Sherpas haben dabei ihren verunglückten Kollegen gedacht.

Anscheinend ist es dabei zu sehr emotionalen und leider auch fast hetzerischen Szenen gekommen.
Es soll eine größere Gruppe von jungen Sherpas, also zwei-drei-hundert, die Situation des Unglückes jetzt dafür nutzen wollen, dass sie von der Regierung endlich mal bessere Bedingungen, anständige Unterstützung und Rückenstärkung erhalten.

Ich habe gehört, dass die Familien die jemanden in der Eislawine verloren haben, nur 400 USD als Abfindung von der Regierung bekommen.
Das Permit pro Bergsteiger am Everest kostet USD 10.000,00. Also ist es nur verständlich, welches Ungleichgewicht rein finanziell hier herrscht.

Es sollten bis zu 50 Vertreter des Ministeriums hier im Basislager für Ordnung und Sicherheit sorgen, aber laut Auskunft der hier Schaltenden sind davon nur 3 oder 4 Leute da.
Auch unser Begleitoffizier, dessen Aufenthalt, Unterkunft, Verpflegung und Gehalt für diese 8 Wochen von uns mit dem Permit bezahlt wurden, ist uns schon seit Namche abhanden gekommen.

Unter den Sherpas gibt es wie bei uns jetzt einen Generationensprung. Die “Alten”, die hier alles aufgebaut haben, seit den Fünfzigerjahren dafür kämpfen und arbeiten, dass im Khumbutal ein Wirtschaftszweig mit all den Trekkern und Bergsteigern aus aller Welt entstanden ist, der heute für die Familien und die Bevölkerung nicht mehr wegzudenken ist, stehen der jungen Generation gegenüber, die auch wie bei uns die moderne Medienwelt zur weltweiten Vernetzung nutzt.
So werden hier nun Informationen über das Leben und den Luxus der Westlichen Welt mit der Tradition der ursprünglichen Sherpakultur gemixt und deshalb kommen selbstverständlich Spannungen auf.
Diese Gruppe von jungen Sherpas verlangen nun, dass alle Expeditionsteams hier abziehen und die diesjährige Everestsaison mit allen Mitteln, auch international vernetzten Medien, sozusagen abgewürgt wird.

Das soll Druck auf die Regierungsverantwortlichen machen und das hat letzten Endes für mich nicht mehr viel mit dem tragischen Unglück im Eisfall zu tun.

Nur so ist es für mich erklärbar, dass seit gestern in den Westlichen Medien Meldungen kursieren, dass der Mt. Everest bereits gesperrt sei und die Bergsteiger nach Hause fahren.

Die älteren Sherpas sind dagegen zum Grossteil bereit, ihr und auch unser Ding nach einer Zeit der Ruhe und des Einhaltens nach der Tragödie im Khumbueisfall es wieder aufzunehmen.
Sie wissen aus der Vergangenheit, dass sie trotz enormer Rückschläge, die es hier bei der gefährlichen Arbeit immer wieder gibt, nach vorne schauen müssen.

Diese Tage werden hier nun mit endlosen Gesprächen unter den Bergsteigern und Meetings zwischen den Agenturen und den Sherpas bezüglich der Zukunft auf der Südseite des höchsten Berges der Erde gefüllt.
Sogar Regierungsverantwortliche sollten eingeflogen werden, damit hier wieder Ordnung entsteht.

Derzeit ist der Durchgang in den Khumbueisfall blockiert und niemand kann auch nur einen Schritt in Richtung Lager 1 setzen.

Es war sogar mal die Rede, dass die “Khumbueisfalldoktoren” die Leitern und Fixseile durch diesen heiklen Eisbruch wieder rückbauen sollen.

Nun könnt ihr euch vorstellen, unter welchen Umständen ich und meine Männer uns auf unsere Aufgabe, gemeinsam den höchsten Berg der Erde ohne Augenlicht zu besteigen, konzentrieren müssen, ohne den Mut und den Sinn nicht zu verlieren.

Dabei kommen bei mir zusätzlich natürlich immer wieder Gedanken zu meiner Verantwortung meinen Sponsoren gegenüber hoch.
Es ist schwer zu argumentieren, den Everest als erst zweiter blinder Mensch der Erde besteigen zu wollen, und man bleibt schon im Basislager hängen…..
Aber KOPF HOCH!!!

Wir, also Wolfi, Daniel und ich sind sehr sehr positiv eingestellt, wir haben uns noch nicht aus unserer Konzentration auf unsere ganz persönliche Aufgabe bringen lassen, und wir haben sogar schon an eine Alternative am Everest nachgedacht.

Es gäbe natürlich die Option, an die Nordseite des Berges zu wechseln und den Everest von Tibet aus zu versuchen.
Dort ist dieses Frühjahr alles schon im Laufen und die Bergsteiger sind bis zum “ABC” auf 6.400m vorgedrungen.

Auf Grund unserer Akklimatisierung bis weit über 5.000m wäre es somit ein “Katzensprung”, direkt von Kathmandu, den mir schon bekannten Weg über Zhangmu zum Fahrerbasislager des Mt. Everest an der Tibetischen Nordseite auf 5.100m zu fahren.
Aber dies sind mal nur Gedanken…

Wir hoffen und glauben fest daran, dass sich dieser gesellschaftspolitische Knoten bald legen wird und wir doch eine Chance bekommen werden.

Unser Mitgefühl für die bei dem tragischen Unfall verstorbenen Menschen und deren Angehörige wird uns nicht nur während dieser Expedition, sondern wohl ein Leben lang begleiten.

Wir selbst müssen ja auch erst durch den Khumbueisbruch steigen, um unserem Ziel näher zu kommen…….

Also hoffen wir, die nächsten Tage weitere NEWS aus dem Basislager, wo unverändert fast alle Expeditionsteams auf ihren Aufbruch warten,  verkünden zu können.

Gesundheitlich geht es hier gut voran.
Daniel hustet nur noch selten und mein Halsschmerz ist gewichen….. Wolfi ist top drauf!

Alles Liebe,
Andy, Wolfi, Daniel, Juliane, Thomas und Tom”

Weiter Infos könnt ihr meine treuen Leser auch noch unter
http://www.ndr.de/sport/mehr_sport/mounteverest121.html
erfahren und hören.         

So bleibt uns liebe Leser und Daumenhalter auch nur das Abwarten auf gute und positive Neuigkeiten aus dem Mt. Everest Basislager …
Namaste euer Bodenpersonal Sabine

 

 

 

 

 

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2 Antworten auf Mt. Everest Basislager auf 5.380m

  1. Carmen Heyn sagt:

    Vielen, vielen herzlichen Dank für die ausführlichen Informationen und die sehr persönlichen Einblicke! Wir beten mit Euch, dass Ihr Euer Ziel doch noch erreichen könnt und sind in Gedanken bei Euch.

    Liebe Grüße, Carmen

  2. Ungenannt sagt:

    Vielleicht soll dieses schreckliche Unglück ein Zeichen dafür sein, dass man im Leben nicht alles um jeden Preis erreichen kann. Ihr habt natürlich ein Ziel und einen großen Traum vor Augen, aber bei den Sherpas geht es um die Zukunft, und es ist nur allzu verständlich, dass sie auf ihre Umstände aufmerksam machen!! Dieses Unglück wird immer einen Schatten auf eure Expedition werfen- und ich denke auch, eure Sponsoren würden es verstehen, wenn ihr abbrechen würdet (wenn ihr es überhaupt wollt!) Wie immer es weiter geht, ich hoffe und bete für euch!

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