Puja und Eisfalltraining

15.Tag  Basislager auf 5.380m

Meine lieben Tagebuchleser heute habe ich eine ganz lang Email von Andy erhalten.

„Hallo Spatz,

Heute geht es uns hier wieder recht gut.

Die Nacht verlief für mich zum ersten Mal wie zu Hause, also voll durchgeschlafen und laut Wolfi, meinem Zeltnachbar, voll durchgeschnarcht :-)

Nur ein kleiner Halsweh, der sich gestern Abend angekündigt hatte, vermieste mir die Morgenstunde. Aber keine Kopfschmerzen o.ä.

Auch Thomas hat denselben Halsschmerz, welcher aber nicht wahnsinnig ist.

Mit Schnaps und Bronchiostop bekomme ich das in den Griff.

Daniel hat noch Kopfschmerzen in der Nacht, aber heute unter Tags kam er mir sehr gut vor.

Über Wolfi, mit 50 Puls und einer Sauerstoffsättigung von 87% brauchen wir nicht reden. Er ist total konzentriert und macht nach Möglichkeit keinen Fehler.

Tom, unser Kameramann und Juliane kämpften heute Morgen mit Kopfschmerzen und einer wenig durchschlafenen Nacht.

Unser Dr. Nima hat Juliane beim Frühstück mal Blutdruck, Sauerstoffsättigung und weitere Werte abgenommen. Es ist laut Dr. Nima für diese Höhenlage und die kurze Zeit die wir hier oben sind, auch für Juliane alles im Lot.

Sie fühlte sich während des Tages bei den Dreharbeiten auch wieder viel besser.

Der Tag begann heute mit einem wunderbaren Frühstück und im Anschluss versammelten wir uns gemeinsam mit den anderen Everestanwärtern aus Südafrika, USA, Australien, Frankreich, Polen, Belgien, Deutschland und Österreich vor dem für die Puja vorbereiteten Platz.

Auch all unsere Träger, Sherpas, Küchenmannschaft und Dawa Stevens, der Chef von Asia-Trekking waren anwesend.

Pujastätte mit Sherpas im Everestbasislager

Pujastätte mit Sherpas im Everestbasislager

Wir Bergsteiger legten wichtige Ausrüstungsgegenstände für die Segnung durch unseren Lama auf die feierlich geschmückte Anrichte für die Zeremonie.

Einer unserer Climbingsherpas ist auch Lama und er begann mit dem uns schon bekannten “Murmeln”, was für die Buddhisten wie für uns Christen, das Gebet zu Gott ausdrückt.

Der Unterschied zu einer unsrigen Heiligen Messe ist mir neben den ganz anderen Ritualen folgendes aufgefallen.

Der Lama betet vorne an mit Gebetsfahnen, mitgebrachten Lebensmitteln wie Kekse, Colaflaschen, Mehl, Reis und den Ausrüstungsgegenstände zur Besteigung des Mt. Everest geschmückten “Steinhaufens” seine Gebete, während sich die ebenfalls dem Buddhismus zugehörig fühlenden Sherpas teils lautstark unterhalten. Mag sein, dass die auch über Buddha reden, eher kam es mir vor, sie hatten sich auch anderes Wichtiges zu erzählen :-)

Im gewissen zeitlichen Abstand wurden uns Tee, Kekse und andere feine Sachen serviert. Einmal kam ein Sherpa sogar mit hochprozentigem whiskyartigen Getränk zu uns.

Jeder von uns bekam auch eine Hand voll Reis und Mehl und beim Höhepunkt der Puja, wo wir aufstehen mussten, warfen wir diese Gaben unter lautem Gejohle der Sherpas als Opfer für eine sichere und glückliche Rückkehr vom Sitz der Götter am höchsten Berg unserer Erde in die Luft.

Als Abschluss dieser ausführlichen Feier wurden wir in einen Tanz mit den Sherpas eingebunden, was für uns noch nicht ganz höhenangepassten Westler ganz schön anstrengend war.

Nach der Puja begaben Wolfi, Daniel und ich uns zum Trainingsparkour für das Klettern durch den Khumbueisfall, welchen die Sherpas hier im Basislager für uns aufgebaut hatten.

Juliane, Tom und Thomas folgten uns mit Mikro und Kamera.

Erst wurden wir vom Chefsherpa, unserem Sirdar richtig in unseren Klettergurt gepackt, was sich für uns natürlich sonderbar anfühlte.

Man muss wissen, Wolfi ist Heeresbergführer und Flugretter, spitzen Alpinist und bildet auch die Leute beim Österreichischen Heer aus, Daniel ist Zivilbergführer und klettert neben schwersten Mixedtouren im Schwierigkeitsgrad 8C im Fels und hat erst kurz vor unserer Abreise einen Kunden durch die Eiger Nordwand geführt.

Aber wir wollen uns auf keinen Fall wichtig machen und schätzen die Erfahrung der Everestsherpas enorm. Wir wissen auch ganz genau, dass nicht wir, sondern die Sherpas hier die Stars sind und dass wir wenn, dann nur mit Hilfe dieser so liebenswürdigen Menschen auf die Spitze des Everest kommen können.

Nebenbei beschrieb mir Wolfi und Daniel die Kletterkünste von anderen westlichen Everestaspiranten, die ebenfalls hier im Eisbruch trainieren…

Andy im Eisfall beim Training

Andy im Eisfall beim Training

Zuerst ging es am Fixseil eine ca. 70 Grad steile Blankeiswand hinauf, wo man sich dann wieder abseilen konnte. Mit Frontalzackentechnik eine feine Sache. Ich merkte aber sofort, wie schwach meine Höhenanpassung noch ist.

Nach wenigen Kletterzügen schnellte mein Puls ganz schön hoch. Natürlich weiß ich, dass ich mir in dieser Phase der Akklimatisierung aber schon gar nichts an Überanstrengung leisten kann und so gab ich sofort nach und kletterte gemächlich hoch.

Im Anschluss stieg ich mit Daniel eine fast senkrechte Leiter hinauf, dann folgte eine für mich etwas heikle Querung, welche uns zu einem kurzen Abstieg zum Beginn einer horizontal über eine Spalte gelegten Leiter führte.

An dieser Leiter versuchte ich nun die auch im Khumbueisbruch liegenden Leiterbrücken über bis zu 10 Meter breite Gletscherspalten im aufrechten Gang mit meinen Steigeisen zu überschreiten.

Das Geheimnis ist dabei, dass man sich an den Seilen haltend, in leichter Vorlage ähnlich einem Skispringer unter Seilzug von hinten über die wacklige und mit Abgrund drohende Leiter bewegt.

Dieses gelang mir gar nicht mal so schlecht und so führte uns der Parkour noch mal in querendem Terrain zum abschließenden Abstieg über leicht geneigte Eisplatten.

Alles in allen super Sache, nur diese Querungen, bei denen man über unregelmäßige Eisstufen und Löcher drüber muss, das wird für mich die Challenge im Khumbueisbruch werden. Wenn es schön steil bergauf oder bergab geht. Wo ich das Gelände definiert von meinen Händen und Füssen mitgeteilt bekomme, das soll nicht das Thema sein.

Wolfgang kletterte während dessen mit Juliane den Parkour ab, was für Juliane eine sehr wichtige Erfahrung auf Steigeisen heute Morgen war. Juliane kletterte mit mir im Sommer 2011 im Rahmen einer Fernsehproduktion (NDR-Sportclubstars)eine 250 Meter hohe Dolomiten-Felskante als Frischling und jetzt möchte sie sich auch ins Eis wagen.

Juliane mit Wolfi beim Eisklettertraining

Juliane mit Wolfi beim Eisklettertraining

Am Lobuche Peak werden für Juliane genau solche Passagen warten und so ist das Eistraining super wichtig auch für sie gewesen.

Wolfi sagte mir, Juliane sei eine der “besseren” Trainingskletterer, die er heute hier im Eisbruch beobachtet habe.

Das aus dem Munde eines Heeresbergführers, das soll was heißen…

Jetzt am Nachmittag habe ich mir schon mal die Sachen für unseren nächsten Schritt zusammen gepackt.

Morgen latschen wir wieder hinaus nach Lobuche, wo wir auf ca. 4.900m Seehöhe die Nacht auf übermorgen verbringen werden. Dort startet unser Aufstieg zum 6.119m hohen Lobuche-East, den wir als weiteren wichtigen Schritt der Höhenanpassung nehmen werden.

Am Lobuche Peak soll auch die Aussicht zu unserem großen Ziel dem Everest außergewöhnlich schön sein uns so ist dieser Aufstieg auch für das Filmteam enorm wichtig.

Ich sage euch nun wieder Berg Heil aus dem Basislager und freu mich auf die nächsten vier Tage, wo ich keinen Computer mit haben werde.

Also, bis ganz bald,  Andy mit Team“

Wie ihr lesen und sehen könnt, bereitet sich unser Team schön langsam auf die Tage am Berg vor. Es ist ja toll, daß sie sich auf die Begebenheiten die sie erwartet, “einüben” können.

In den nächsten Tagen werde ich wahrscheinlich keine Infos von Andy bekommen – wir lassen uns überraschen …

Noch eine kleine Erklärung was der Sirdar ist: Der Sirdar (Bergführer) ist der “Direktor des wandernden Hotels”. Er stammt meist aus den Bergregionen und gehört oft einer Tibetisch-stämmigen Volksgruppe an. Nach mehrjähriger Erfahrung als Begleiter (“Sherpa”) von Trekkinggruppen und Ausbildung in Fremdsprachen, Bergrettung, Geografie, Wetterkunde usw. wird er vom Tourismusministerium certifiziert.Er heuert die Träger an, handelt den Lohn aus und bezahlt sie. Er ist verantwortlich für Verpackung und Transport von Ausrüstung, Verpflegung und Gepäck.Auch organisiert er Rettungseinsätze im Notfall.

Namaste euer Bodenpersonal Sabine

 

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4 Antworten auf Puja und Eisfalltraining

  1. Sabine Sabine MöMöcklinghoff t sagt:

    Hallo Juliane, hallo Andy, hallo liebes Team,
    was ich heute zu lesen bekommen habe, hat mir fast den Atem geraubt. Unglaublich, was Ihr da leistet. Der liebe Gott möge Euch weiterhin beistehen, damit Ihr dieses Abenteuer heil ūbersteht!!! Fur die kommenden Tage ( ohne Internet ) wünsche ich Euch alles Glück dieser Erde, viel Kraft und Ausdauer. Toi, toi , toi!!!
    Liebe Grüße Sabine ( G u K )
    r

  2. Günter Messner sagt:

    Als 2. Blinder auf den Everest?

    Die Idiotie mancher Menschen ist ganz offensichtlich grenzenlos.

    • UrsulaPenz sagt:

      Sehr geehrter Herr Messner,
      Ich kann nicht glauben, was ich da lese!! Wie kann man über einen Menschen in einer Zeile so respektlos urteilen! Wenn Sie sich mit dem Menschen Andy Holzer auch nur ein bisschen auseinandergesetzt hätten, könnten Sie nicht so eine negative und unqualifizierte Meldung abgeben. Ich begleite den Weg von Herrn Holzer seit längerem auf seiner Website, Sendungen, Büchern und Vorträgen: Er vermittelt soviel Positives und Wertvolles an Lebensengergie, er beeindruckt duch seinen Humor und seine Lebensphilosophie, gibt Mut und Kraft für schwierige Lebensphasen und Schicksalsschläge und ist Vorbild!
      Ich kenne Sie zwar nicht und den Hintergrund dieser Aussage, Sie macht mich einfach nur betroffen und verärgert!

    • Brigitte sagt:

      Sehr geehrter Herr Messner,

      nicht nur die Idiotie mancher Menschen ist grenzenlos, sondern die Respektlosigkeit und Unverschämtheit mancher Menschen ist es auch, wie man an Ihrem Eintrag bestens sehen kann. Selbstverständlich haben Sie das Recht auf Ihre eigene Meinung, aber nicht alles, was man denkt muss man auch ins Netz stellen…! Ich wünsche Herrn Holzer und seinem Team weiterhin Gottes Segen bei seinem Vorhaben und nehme für mich daraus mit, dass man im Leben alles, aber wirklich alles bewerkstelligen und erreichen kann, wenn man nur fest genug an sich und seine Kraft glaubt.

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