Ruhe vor dem Sturm

10. Mai -12. Mai 2011
22. Tag – 24. Tag  Erholung im ABC auf  5.650 m

Die letzten 3 Tage haben sich unsere Bergsteiger auf 5.650 m im Basislager erholt und Ruhe und Kraft für den bevorstehenden Gipfelversuch getankt – deshalb auch keine aktuellen Infos – aber keine Nachrichten sind gute Nachrichten …

Aber jetzt scheint es ernst zu werden … 

Hier die neuesten Informationen vom Berg.

Andy schreibt Webblog

 

Hallo Spatz,

Hier wie versprochen, neue Infos.

Jetzt haben wir seit Montag hier im ABC unsere müden Knochen ausgeruht und schielen langsam in Richtung unseres Gipfelversuches.
Diese Woche ist es am Berg sehr turbulent zugegangen.

Erst einmal ist es wie auch sonst an solchen Orten üblich, dass verschiedenste Taktiken und Strategien diskutiert werden.

Es kursieren auch verschiedene Wetterberichte zwischen den einzelnen Expeditionsteams herum und jeder glaubt, der Seine ist der Richtige.

Wahrlich ist es nicht einfach, das Wetter mit Bewölkung, Temperaturen in verschiedenen Höhen und vor allem Windprognosen vorherzusagen. Hier steht ein Siebentausender neben dem Anderen, dazwischen gesellen sich die Achttausen – der Makalu, Everest, Cho Oyu und unsere Shisha Pangma. Wer es von den Alpen her kennt der weiß, dass jede größere Erhebung das Wetter auf kleinsten Raum extrem beeinflussen kann.

Soeben erfahre ich von Udo, der mit dem Walliser Fünfmannteam gesprochen hat, die ihr Gipfelglück vorgestern am Dienstag versucht hatten, dass sie ihren Aufstieg auf rund 7.600 m abbrechen mussten. Anscheinend gab es zwar auf Lager 3 eine Sturmfreie Nacht, trotzdem wurden sie ca. 300 m höher von Neuschneemassen eingebremst, die es in der Nacht zuvor geschneit hatte. Ihre Sherpas sprachen von bis heute für sie noch nicht erlebten Bedingungen.
Die Natur war für dieses Team der Stärkere und so blieb ihnen leider nur die Umkehr.
Gestern Abend sind die Jungs jedoch wohlbehalten hier im ABC eingetroffen und jeder von Ihnen kann über eine gesunde Rückkehr berichten.
Neben den Walisern sind diese Woche noch eine größere Schweizergruppe, eine Ukrainische sowie eine kleine, deutschorganisierte Gruppe an den Flanken der Shisha Pangma unterwegs.
Da unser Team als Spätestes angereist ist, sind wir die zeitmäßig letzte Gruppe, welche den Gipfelversuch angehen wird. 
Ich bin froh und stolz, dass ich in Sachen Wetter, was wohl einer der wichtigsten Parts auf Achttausendern ist, für mein Team unseren langjährig erfahrenen Wetterexperte Dr. Karl Gabl aus Innsbruck als Wettersouffleur haben darf.
Karl hat vor einigen Jahren sogar seinen eigenen Schweiß an diesem Berg vergossen und so weiß er noch besser, wie wichtig seine Infos für uns sind.
Danach sieht es voraussichtlich so aus.
Die Windstärke soll auf 8.000 m bis Freitag-Samstag mit 60km/h das Maximum erreichen.

Ab Sonntag suggestiv abnehmen.

Montag 40km/h und bis Mitte nächster Woche abflauen.

Wenn der Wind im Gipfelbereich abflaut, dann bekommen die Quellwolken wieder mehr Gelegenheit sich zu entwickeln. Also wird es entweder Wind und wolkenlosen Himmel oder Windstille und Bewölkung mit leichten Niederschlägen geben.
Der Wind ist für uns, speziell für mich da oben jedoch der größte Feind, da er mir den Gehörsinn wegnimmt.
Ich denke zurzeit, dass es folgend für uns ablaufen könnte.
Am Samstag starten wir zu Camp 0 auf 5.900 m.

Am Sonntag hinauf zu Camp 1, wo wir schon letztes Wochenende zwei Nächte verbracht hatten.
Am Montag ginge es dann weiter zu Camp 2 auf ca. 6.900 m.

Am Dienstag zu Camp 3 auf 7.350 m um dann am Mittwoch einen Gipfelversuch zu wagen.
Karl hat mir versprochen, mich nun täglich über die aktuellen Wetterentwicklungen zu informieren und so werden wir unseren Plan daran anpassen.

Die vielen Ruhetage hier im ABC geben uns die Gelegenheit, viel zu Essen und zu trinken, uns zu regenerieren – aber trotzdem hat man das Gefühl, dass man täglich schlapper wird.
Bhim, unser Koch ist nun nach einigen Tagen Aufenthalt im “Krankenhaus”, das auf ca. 2.300 m wesentlich tieferen Zangmu liegt, von seiner Höhenkrankheit erholt zu uns zurückgekehrt und das gesamte Team ist wieder komplett.

 
Gestern Mittwoch hat sich Helmuth, der Lesachtaler Hüttenwirt von uns verabschiedet und wir wünschen ihm an seinem nächsten großen Ziel, der Besteigung des MT. Everest, die er im Anschluss versuchen möchte, alles Glück dieser Welt.

Gruppenfoto mit Helmut Ortner

Während Helmuth abgestiegen ist kommen in unseren stundenlangen Sitzungen in Essenszelt so gut wie alle Themen auf den Tisch.

Von alten Erinnerungen früherer gemeinsamer Reisen zu Jugendgeschichten am Bauernhof, von der ersten Erfahrung mit dem weiblichen Geschlecht bis zu philosophischer Lebenseinstellung, oder von technischen Themen bis zu unserem großen Heimweh, wogegen auch wir “hart gesottenen Bergsteiger” hier im fernen Tibet nicht gefeit sind.
Alles in allen ist zu sagen, dass wir vier Freunde trotz großer psychischer und physischer Belastung ganz gewaltig gut harmonieren und das Beste aus der Sache zu machen versuchen.

Gemeinsam freuen wir uns nun auf unseren Vorstoß nach oben und hoffen, dass uns der Herrgott wie schon so oft im Leben, den richtigen Gedanken zu wichtigen Entscheidungen ins Bewusstsein setzt.

Puja - damit uns die Götter gnädig sind

Lieben Dank für eure guten Gedanken und die guten Wünsche, die mir Sabine immer wieder von so lieben Menschen übermittelt. Genau auf dieser Energie bauen wir unseren Aufstieg.
Berg Heil! 
Andy mit seinem Superteam
copyright by Andy Holzer

Wir wissen nun, was jetzt wieder auf uns zukommt – Daumenhalten, Daumenhalten, Daumenhalten …

Unsere guten Gedanken und Wünsche werden sie jetzt die nächsten Tage begleiten – möge ihnen der Wettergott gnädig sein.

Meine lieben Daumenhalter ich melde mich sobald es Neuigkeiten von unserem Superteam, wie Andy so schön sagt, gibt.

euer Bodenpersonal Sabine 

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Eine Antwort auf Ruhe vor dem Sturm

  1. heinz sagt:

    hallo andy und team…
    ich bin in gedanken bei euch…habe das universum gebeten euch richtig entscheiden zu lassen, um euch alle 4 gesund wiederzusehn…lasst euch nicht nervös machen von den infos eurer zeltnachbarn,ihr habt zeit auf die 2-3 besonderen tage zu warten …vertraue auf dein bauchgefühl …ihr seid super drauf und gut akklimatisiert…grüße mir die shisha pangma…tashi delek heinz

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